Filmemachen im digitalen Zeitalter
Wenn Sie sich für das Filmemachen als Beruf interessieren, leben Sie genau in der richtigen Zeit. Nie zuvor in der Geschichte des Kinos waren die Möglichkeiten der ästhetischen Gestaltung so vielfältig. Die Digitalisierung hat auch die Verfahren der Filmproduktion revolutioniert. Historische Stoffe, Science-Fiction, aufwändige Action, Fantasy-Abenteuer, 3D im Realfilm und in der Animation: Was noch vor 20 Jahren, gerade im europäischen Kino unmöglich schien, ist heute nicht nur gestalterisch und technisch realisierbar, sondern auch finanzierbar.
Dank digitaler Technologien wird Film zur Software und leitet damit ein radikales Umdenken über ein bislang linear in Raum und Zeit erzählendes und wirksames Medium ein – mit weitreichenden Konsequenzen. Der aktuelle Medienumbruch verändert unseren tradierten Filmbegriff grundlegend.
Was ist das digitale Kino? Mitnichten ein sterbendes Medium, vielmehr eine sehr vitale Kunstform, die sich gerade neu erfindet. Was bislang in den ästhetischen Praktiken und den Produktionsverfahren vollkommen getrennt ablief – der fotorealistische Film und der Animationsfilm –, verschmilzt miteinander und definiert damit den Charakter und die Identität des Kinos neu. Auch fotorealistische Szenen können inzwischen am Rechner entstehen und alle diese Daten, unabhängig davon, wie sie entstanden sind, können – je nach Wirkungsabsicht – nahezu unbegrenzt modifiziert, gemalt und gemorphed werden. Das Kino ist also nicht mehr zwingend das Medium, das Realität suggeriert oder verdichtet. Das digitale Kino repräsentiert, um den großen amerikanischen Medienwissenschaftler Lev Manovich zu zitieren, eine „elastische Realität“. Mit dieser Möglichkeit, digitale Bilder einzeln oder szenenweise zu manipulieren, wird Film potenziell zu einer Folge von „paintings, paintings in time“ (Lev Manovich), also Malerei. Das digitale Kino lässt tradierte Verfahren und Praktiken in atemberaubender Geschwindigkeit veralten. Auch für die einzelnen Filmberufe hat dies enorme Auswirkungen. Die traditionell selbständig arbeitenden Gewerke verschmelzen an ihren Rändern miteinander. Auch die Linearität der klassischen Filmproduktion wird durch simultane und vernetzte Verfahren ersetzt.
Was es heißt, als Filmemacher mit dem Wissen um eine mehr als 100-jährige Tradition mit den Möglichkeiten des digitalen Kinos ästhetisch innovativ zu arbeiten, das können Sie an der ifs erforschen – und dabei auch die neuen Medien für sich entdecken.
Mit Ihrer und unserer Begeisterung für die mediale Vielfalt und ihre Gestaltung wollen wir Sie darin unterstützen, Ihren Platz in der Medienlandschaft der Zukunft zu finden.
Viel Spaß bei diesem Abenteuer!
Simone Stewens und Martin Schneider, Geschäftsführung ifs |