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Zeitungsartikel
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01/2007

28. Januar 2007

Ich will zum Film!

Studienplätze an Filmhochschulen sind rar. Und die Ausbildung ist hart. Doch wer sie übersteht, hat gute Aussichten.

von Michael Wittershagen

Dieter Wiedemann hat es den Bewerbern immer und immer wieder gesagt: "Talent allein reicht nicht." Viele sind nach diesen Worten wieder nach Hause gegangen, andere sind geblieben und haben ihr Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Potsdam begonnen, haben mitunter Nächte an den Schneideplätzen verbracht, sind mitten in der Nacht zum Dreh gefahren oder haben wie besessen an einem Drehbuch gearbeitet. Bis irgendwann das erste Werk fertiggestellt war. Und das, obwohl Wiedemann, der Präsident der HFF, ihnen noch andere Dinge mit auf den Weg gegeben hatte. Etwa, dass das Geld der Absolventen nicht immer reichen wird, um die eigene Familie zu ernähren. Oder, dass nicht aus jedem ein neuer Tom Tykwer werden kann. Für ihren Traum nehmen das viele in Kauf. Noch immer besitzt die Filmbranche etwas Magisches, und nach dem Erfolg des deutschen Fims in den vergangenen Jahren wächst die Zahl der Hoffnungsvollen noch. Die Masse der Bewerber ist Jahr für Jahr höher als die der Studienplätze. Rund 17.000 Studenten gibt es in der Filmbranche gegenwärtig in Deutschland, die Mehrzahl davon an Universitäten und Fachhochschulen in eigens eingerichteten Filmklassen.
"Die Qualität der Ausbildung dort läßt sich aber mit Sicherheit nicht mit der an Filmhochschulen vergleichen", sagt Wiedemann. Dort sei das Niveau jedoch ausgesprochen hoch. "Wir sind durchaus auf Augenhöhe mit den Filmhochschulen in Amerika." Indiz dafür ist etwa, dass der Studenten-Oscar in den vergangenen Jahren wiederholt nach Deutschland verliehen wurde. Wiedemann erklärt dies unter anderem mit der modernen Ausstattung, den überschaubaren Kosten und dem guten Verhältnis von Lehrenden und Lernenden. An der HFF betreuen rund 100 Dozenten etwa 500 Studenten. Die HFF ist die größte und älteste Filmhochschule der Republik. Bis zum Fall der Mauer wurden dort die Nachwuchs-Filmemacher der DDR ausgebildet. 2000 ist die Hochschule in die Medienstadt Babelsberg gezogen. Weitere staatliche Hochschulen gibt es in Berlin, Hamburg, Ludwigsburg, München, Karlsruhe und Köln mit Studiengebühren von etwa 500 Euro pro Semester.
Hinzu kommen verschiedene private Hochschulen wie etwa die ifs internationale filmschule köln. Allerorten muß vor dem Studium zunächst eine Aufnahmeprüfung bestanden werden, in der die künstlerische Eignung nachgewiesen werden muß. Jede der Hochschulen hat ein eigenes Profil, setzt unterschiedliche Schwerpunkte und verfolgt eine eigene Philosophie.
"Jeder muß wissen, wo er den Kern seiner späteren Arbeit sieht und sich dementsprechend bewerben", sagt Katharina Trebitsch. Die Leiterin des Filmstudiums an der Hamburg Media School arbeitet selbst seit vielen Jahren als Produzentin und hat den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis gewonnen. Die internationale filmschule köln ist die kleinste Einrichtung in Deutschland. Alle zwei Jahre können dort rund 50 Studenten ihr Studium beginnen. 3500 Euro zahlt jeder von ihnen dafür in jedem Jahr, insgesamt also 10.500 Euro. Auch, weil die Dozenten und Paten dieser privaten Filmhochschule zum Teil international bekannt sind: Ruth Toma hat das Drehbuch zu "Solino" geschrieben, Schauspieler Klaus Maria Brandauer bereits neben Robert Redford vor der Kamera gestanden und Allan Starski die Szenenbilder für "Schindlers Liste" entworfen. "Die Studenten haben besondere Erwartungen an uns, und die versuchen wir zu erfüllen", sagt Simone Stewens, die Geschäftsführerin der internationalen filmschule köln. So umfassen die verschiedenen Kurse lediglich acht Studenten, was die individuelle Betreuung in den Mittelpunkt rücken soll. Als erste öffentlich geförderte Filmschule Deutschlands bietet die internationale filmschule köln den Bachelor of Arts an, ein zweijähriger Masterstudiengang soll 2008 fogen, und mit ihm ist die Hoffnung verbunden, weitere Studenten aus Europa anzulocken. In der Regel sind die Bewerber an den deutschen Filmhochschulen zwischen 23 und 25 Jahre alt. Wiedemann rät davon ab, sich direkt nach dem Abitur für einen Platz zu bewerben. "Gute Leute brauchen jede Menge Lebenserfahrung. Nur dann können sie anderen etwas erzähen. Und sie müssen die Fähigkeit besitzen, etwas zu denken, was derart zuvor noch nicht gedacht wurde." Das Handwerk gibt es an den Filmhochschulen, mit Leben muß es von jedem eigenständig ausgefüllt werden. Und: "Der erste richtige Test in der rauhen Wirklichkeit steht den Studenten nach dem Abschluss ja erst bevor", sagt Stewens. Für viele ginge es dann zunächst um die bloße Sicherung der Existenz. Allerdings stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht schlecht. "In den vergangenen Jahren hat eine starke Professionalisierung in der Branche eingesetzt", sagt Michael Kerwer von der Zentralen Bühnen-, Film- und Fernsehvermittlung (ZBF) in Köln. "Absolventen der Filmhochschulen haben gute Perspektiven."
Hingegen wird es für Quereinsteiger schwer. Die Geschichte von einem, der vom Kabelträger zum Regisseur aufstieg, gibt es nicht mehr. Vielmehr gelte: Je besser die Ausbildung, je mehr Qualifikationen, desto größer die Chance auf einen Job.

Nadine Sklodowski, 27 Jahre, studiert im 7. Semester Produktion an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) Potsdam:

Eine Spielwiese
"Dass ich mal beim Film landen würde, war mir nicht von vornherein klar. Vielmehr haben sich die einzelnen Teile dieser Idee nach und nach zu einem Puzzle zusammengefügt, das 2002 fertiggestellt war. Zunächst wollte ich Musikerin werden, auf einem Musikinternat hatte ich Querflöte, Schlagzeug und Klavier gelernt. Dann jedoch setzte sich die Bildbearbeitung in meinem Kopf fest, später habe ich Veranstaltungen organisiert und verschiedene Praktika beim Film in verschiedenen Positionen gemacht. Später in meinem Beruf kann ich all diese Dinge miteinander verbinden: Stoffe finden und entwickeln, die Finanzierung von Filmen auf die Beine stellen, das Package zusammenstelen, die Durchführung des Drehs betreuen, das Team zusammenhalten - ich freue mich auf diese facettenreichen Aufgaben. Die ersten Erfahrungen beim Film habe ich vor dem Studium gesammelt. Das war wichtig für mich. Ich habe Kurzfilme gedreht beziehungsweise bin selbst mit der Kamera losgelaufen. Es waren keine bedeutungsvollen Werke, die ich spontan gedreht habe, aber ich wollte unbedingt ein Verständnis für das Medium bekommen und habe interessante Momente eingefangen. Das Studium hat alledem eine Struktur gegeben. Aber vor allem war es am Anfang hier an der HFF für mich ausgesprochen aufregend. Die ganze moderne Technik, irgendwie hat sich das für mich wie eine große Spielwiese angefühlt. Letztlich habe ich auf ihr viel gelernt und gute Denkanstöße erhalten. Nach dem Studium würde ich meinen Schwerpunkt gern auf fiktionale und animierte Filme setzen - wenn es gut läuft, sehr gern auch im Ausland."

Alex Schmidt, 28 Jahre, hat Regie an der Hamburg Media School studiert:

Eine Obsession
"Im vergangenen November habe ich meinen Abschluß an der Hamburg Media School gemacht. Der Weg dahin war nicht einfach. Nach dem Abitur habe ich mein erstes Praktikum als Materialassistentin beim Film gemacht. Der Umgangston am Set war rauh, die Stimmung hektisch. Dass das mal meine Welt werden sollte, war mir damals noch nicht klar. Darum habe ich angefangen, Jura zu studieren, das Grundstudium abgeschlossen, aber gemerkt, dass es nicht das Richtige für mich ist. Es folgten Praktika bei Zeitungen, beim Radio und Fernsehen, und schließlich habe ich das Studium der Medienwissenschaften an der HFF Potsdam begonnen. Mein damaliger Freund hat dort Regie studiert. Durch ihn habe ich zum ersten Mal erlebt, was es heißt, Regisseur zu sein. Von da an wußte ich genau, was ich wollte.
Ich drehte meinen ersten Kurzfilm: 'Die kleine Giftmischerin', für den ich auch das Drehbuch schrieb. Damit habe ich mich in Hamburg bei Hark Bohm beworben und wurd 2004 angenommen. Das Studium war anstrengend. Die Tage vollgepackt, auch an den Wochenendenhaben wir gearbeitet, Semesterferien gab es nicht. Ich habe geernt, an mich selbst zu glauben und für meine Ansichten zu kämpfen. Geschichten zu erzählen ist zu meiner Obsession geworden. Viele Themen finde ich in meinem eigenen Umfeld. Ich habe ein paar Jahre in einem Kinderheim gearbeitet, und mein Abschlußfilm 'Rabenmutter' handelt davon. Heute bin ich also Regisseurin. Ich mache, was ich will, was ich kann, was mir Spaß macht. Etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen."

Clemente Fernandez Gil, 38 Jahre, studiert Drehbuch im 5. Semester an der ifs internationale filmschule köln:

Eine Serie
"Vor einiger Zeit habe ich in Köln eine ältere Dame gesehen, die in der einen Hand einen Dackel über die Straße führte und in der anderen Hand einen Speer trug. Einen, der sonst in der Leichtathletik zum Einsatz kommt. Ein derartiges Bild könnte für mich als künftiger Drehbuchautor der Anfang einer Geschichte sein. Ehe ich vor gut drei Jahren an die ifs internationale filmschue köln gegangen bin, habe ich Geschichte, Germanistik und medienwissenschaften studiert, später frei für ein Theater in Düsseldorf als Autor und Schauspieler gearbeitet. Es war schwer, damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Zwar habe ich für jeden Auftritt Gage bekommen, allerdings nicht jeden Abend gespielt. Allein ist es möglich, davon zu existieren. Mit einer Familie wird es schwer. Und irgendwann wollte ich mich auch finanziell weiterentwickeln, nicht nur für die Kunst leben. Das ist mittlerweile umso wichtiger, weil ich vor zwei Monaten Vater eines Sohnes geworden bin. Ich sehe meine Chancen durch das Studium aber positiv. Während meines Studiums habe ich neben dem Handwerk vor allem gelernt, meine Ideen anderen zu vermitteln. So, dass sich diese auch genau vorstellen können, was ic mir mit der Geschichte gedacht habe. Später würde ich gern für Fernsehserien schreiben, weil diese ungemein viel Potential beinhalten. Im Unterschied zum Kino hat der Autor einer Serie die Möglichkeit, Charaktere über mehr als zehn Stunden zu entwickeln. Zudem reizt es mich, den Zuschauer immer wieder zur gleichen Zeit mit der Serie zu locken. Ich habe große Lust, ein breites Publikum durch meine Geschichten zu unterhalten."



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 Oscar

 



ifs-Film erhält Studenten-Oscar 2012 in Bronze
Der ifs-Abschlussfilm "Die Schaukel des Sargmachers" (Regie/Drehbuch: Elmar Imánov, Produktion: Eva Blondiau, Editing/Sounddesign: Bastian Bothe, Kamera: Driss Azhari) hat bei der Verleihung der Student Academy Awards am 9. Juni 2012 in der Kategorie  "Foreign Film" den Oscar in Bronze gewonnen.

Hier sehen Sie Bilder von der Preisverleihung

 

 

 10 Jahre ifs

 

Hier finden Sie als pdf-Download:

- Festschrift "10 Jahre ifs"

- Jubiläumstrailer 

- Fotos der Jubiläumsveranstaltung "10 Jahre ifs"
- Gruß von Dieter Kosslick, Direktor der Berlinale und ifs-Gründungsgeschäftsführer

Rede von Renen Schorr, Leiter der Sam Spiegel Film & Television School Jerusalem
Rede von Joachim Ortmanns, Vorstand des ifs-Fördervereins und Vorstandsmitglied des film & fernseh produzentenverbands nrw e. V.