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Westerwälder Zeitung, 05/2004
4. Mai 2004
"Singin`in the blood": Schüler des Musikgymnasiums wirken bei Kurzfilm mit - Vorpremiere im "Capitol" als Dankeschön
Montabaur will sich gewiss nicht mit den großen Kino-Festivalstädten Cannes, Venedig oder Berlin messen. Immerhin kann das hiesige "Capitol" sich nun rühmen, Ort einer Weltpremiere zu sein: "Singin`in the Blood" heißt unheilschwanger der Kurzfilm, in dem die Mafia ihr Unwesen treibt - mit tatkräftiger Hilfe aus dem Westerwald.
"Ihr braucht kein Popcorn. Der Film dauert doch nur sieben Minuten!" - "Du hast ja keine Ahnung, wie schnell ich eine Tüte Popcorn esse!" Smalltalk im Montabaurer "Capitol" vor einer Aufführung, die in mehrfacher Hinsicht aus dem Rahmen fällt: Der Streifen, der gezeigt wird, ist kürzer als der Werbeblock, der üblicherweise vorab über die Leinwand flimmert. An diesem Spätnachmittag fällt die Reklame flach, es geht sofort zur Sache. Hinzu kommt, dass das Publikum mit im Spiel ist: Im dunklen Kinosaal haben sich Schüler des Peter-Altmeier-Musikgymnasiums Montabaur versammelt, und unter ihnen sitzt Winfried Vögele, Instrumentallehrer für Violine/Viola und zugleich Leiter des schulischen Sinfonieorchesters. Sie haben kräftig "mitgemischt" bei besagtem Kurzfilm, dessen Titel nichts Gutes verheißt: "Singin` in the Blood". Den Kontakt nach Montabaur hatte der Produzent hergestellt: Philipp Hoffmann (23), der aus der Kreisstadt kommt und sein Abi am Musikgymnasium gemacht hat, studiert inzwischen an der ifs internationale filmschule köln. In jedem Semester - der junge Mann ist im dritten - gibt es eine Drehwerkstatt, für die die Hochschule ihren Studenten gewisse Bedingungen vorgibt. Im aktuellen Fall bedeutete dies, dass Hoffmann und sein Team ein Budget von etwa 750 Euro und drei Rollen Film - was etwa 30 Minuten Spielzeit "brutto" bedeutet - zur Verfügung hatten. Zweieinhalb Tage durfte gedreht werden, davon musste ein Tag in der Tiefgarage der ifs absolviert werden. Als wäre dies alles noch nicht knifflig genug, beschloss Philipp Hoffmann, sich an einem besonders heiklen Genre zu versuchen: Er wollte ein Mini-Musical machen. "Ein Musical als Film zu produzieren, ist sehr aufwändig und wird selten gemacht - zumal im Kurzfilm", erzählt der Student. "Aber diese Herausforderung wollte unser Team annehmen." Zu diesem Team gehören vor allem zwei Kommilitonen: Regisseur Johannes Sievert (Jahrgang 1968) und Drehbuchautor Christoph Mathieu (Jahrgang 1981). Produkt der Zusammenarbeit ist eine Mafia-Parodie mit Sprechparts, Songs, Instrumentalmusik und Tanz - erstaunlich, was alles in sieben Minuten hineinpasst... Aber woher sollte die Musik kommen? Die jungen Filmemacher wussten: Am preiswertesten - und gespart werden musste hinten und vorn - ist ein Computersound. Aber damit wollte man sich nicht zufrieden geben. Da fielen Philipp Hofmmann seine frühere Schule und sein Instrumentallehrer für Bratsche ein. Er stieß auf offene Ohren: Winfried Vögele erklärte sich nicht nur bereit, die Filmmusik zu komponieren. Er rief ein Schulprojekt ins Leben: "Ich dachte, es wäre schön, bei diesem Film aktiv mitzumachen." So kam's, dass ein Teil des Sinfonieorchesters und weitere Montabaurer Gymnasiasten - insgesamt etwa 40 Jungen und Mädchen - die Filmemacher unterstützen. Und dies sogar sichtbar, denn zuweilen erscheinen sie als "musizierende Schattenrisse". Vor diesem Hintergrund spielt die ebenso knappe wie dramatische Geschichte des Automechanikers Peter. Er verliebt sich in Luisa, die der Mafiaboss Berduccio für sich reklamiert. In der Werkstatt kommt's zum Showdown... Mehr sei nicht verraten. Das Privileg, die Story in ganzer Kürze zu kennen, hat vorerst nur das Publikum, das zur internen Vorpremiere geladen war. Hoffmann: "Das war unser Dankeschön an unsere vielen Helfer aus Montabaur." Vorerst bleibt der Film unter Verschluss, weil dies die Bedingung für die Teilnahme an Festivals ist. Wer weiß? Vielleicht wird der kleine Krimi um den finsteren Mafiaboss, die schöne Luisa und den tapferen Peter eines Tages sogar mit einem Preis gekrönt? Die Gäste der Vorpremiere jedenfalls waren so begeistert, dass sie um zweifache Wiederholung baten. Da lohnte sich doch glatt eine weitere Tüte Popcorn.
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ifs-Film erhält Studenten-Oscar 2012 in Bronze Der ifs-Abschlussfilm "Die Schaukel des Sargmachers" (Regie/Drehbuch: Elmar Imánov, Produktion: Eva Blondiau, Editing/Sounddesign: Bastian Bothe, Kamera: Driss Azhari) hat bei der Verleihung der Student Academy Awards am 9. Juni 2012 in der Kategorie "Foreign Film" den Oscar in Bronze gewonnen.
Hier sehen Sie Bilder von der Preisverleihung |
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