Kölnische Rundschau, 07/2010
17. Juli 2010
lmmer am Sonntag
Hollywood im Schrebergarten: ifs-Studenten drehen mit Gästen aus Amerika
Von ROLF-R. HAMACHER
Vorurteile und Berührungsängste kennt er nicht, der junge amerikanische Kamerastudent Leigh Underwood, als er sich gleich bei seinem ersten Köln-Besuch ins Linksrheinische auf Motiv-Suche wagt. Als er an den Bahngleisen putzige kleine Gärten entdeckt, da schwant ihm, dass dies etwas typisch Deutsches sein muss. Und das suchen er uns seine Kommilitonen von der Los Angeles University of California schließlich für ihr gemeinsames Projekt mit der ifs internationalen filmschule köln.
Zum Thema "Menschen am Sonntag 2010" sollen vier Kurzfilme über "kleine Fluchten" und Lebenswirklichkeiten in einer großen Stadt entstehen. Die Messlatte ist hoch, denn als Vorbild gilt der legendäre avantgardistische Stummfilm "Menschen am Sonntag" aus dem Jahr 1930, der den poetischen Realismus in Frankreich genauso wie den italienischen Neorealismus vorwegnahm. Und er steht exemplarisch für den Einfluss des europäischen Kinos auf Hollywood - das gesamte Filmemacher-Kollektiv von "Menschen am Sonntag" - Robert und Curt Siodmak, Edgar G. Ulmer, Billy Wilder, Eugen Schüfftan, Fred Zinnemann - emigrierte später in die USA.
So stand also die Analyse des Films im Mittelpunkt der ersten Woche dieser "Summer School" an der ifs, ehe es an die Stoffentwicklung des eigenen Films ging. Immer unterstützt von den Dozenten beider Universitäten. So verbindet sich ein Kapitel weitgehend vergessener deutsch-amerikanischer Filmgeschichte mit einem praktischen Zusammenschluss zweier studentischer Ausbildungssysteme, von denen alle profitieren können.
Es wurden vier binationale Zweier-Teams gebildet, jeweils aus einem Regisseur und einem Kameramann betsehend, wobei auch die beiden Geschlechter politisch korrekt vertreten waren. Der entdeckungsfreudige Underwood an der Kamera fand in der ifs-Regie-Absolventin Nancy Mac Granaky-Quaye seine Partnerin; gemeinsam entwickelte man rund um das "WM-Sommermärchen" eine Liebesgeschichte, die ihr zartes Happy-end im Schrebergarten findet. Gemäß dem Vorbild wurden alle Rollen mit Laiendarstellern besetzt. Über Facebook entdeckte man den Wiesbadener Wirtschaftsstudenten Jeremy Jennings und in Erftstadt die Abiturientin Sabrina Ostermann. Obwohl Sabrina eigentlich Medizin studieren will, zeigt sie sich schon nach einem Drehtag "infiziert" von der Filmerei, "weil ich da einerseits in eine Rolle schlüpfe, mich dabei aber auch selbst erfahren kann." Und auch Jeremy liebäugelt nun mit der Schauspielerei als apäterem Beruf.
Dass das Filmen kein Zuckerschlecken ist, erfahren sie beim schweißtreibenden Dreh in der Kleingarten-Kolonie, wo so manche Einstellung wiederholt werden muss. Umsorgt von ihren Gastgebern, dem Ehepaar Ingrid und Alfred Wolke, die ihr 340-qm-Paradies unbürokratisch den Filmemachern zur Verfügung gestellt haben, dreht das Team bis zum letzten Lichtstrahl. Das Ergebnis dieser zukunftsträchtigen Zusammenarbeit wird man im nächsten Frühling bewundern dürfen. In Los Angeles und hier.
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