Kölnische Rundschau, 02/2011
21. Februar 2011
Auf der ganz großen Leinwand
Kölner Regisseurin auf der Berlinale
Von Christoph Mathieu
Sabine Bernardi feierte mit ihrem Regiedebüt, dem Spielfilm „Romeos“, einen ihrer größten Erfolge auf der Berlinale in Berlin. „Romeos“ ist nicht nur ein rasanter Film über das Erwachsenwerden, es ist auch ein Film über Köln, aus der Sicht eines transsexuellen Menschen.
Sabine Bernardi hat Stress - positiven Stress. Das „Cinestar“-Kino am Potsdamer Platz in Berlin ist hoffnungslos überfüllt. Mehr als hundert Menschen drängeln sich vor Saal drei. Sie alle wollen einen Film sehen: Bernardis Film. Der Ansturm sei überwältigend, sagt die 36 Jahre alte Filmemacherin aus Köln. Und zur Veranstaltung, die gestern zu Ende ging: „Die Berlinale ist ganz schön stressig.“
Doch - wie gesagt - der Stress auf dem Filmfestival ist positiv. Negativen Stress hatte Bernardi zuvor: Ihr Spielfilmdebüt „Romeos“ zu realisieren, sei alles andere als einfach gewesen, sagt Bernardi. Bis 2005 studierte sie Regie an der Internationalen Filmschule Köln. Schon wenig später machte sie mit ihrem Dokumentarfilm „Transfamily“ auf sich aufmerksam. In ihm berichtete sie zum ersten Mal von transsexuellen Menschen in Köln. „Ich habe bei den Dreharbeiten für den Dokumentarfilm gelernt, wie schwer es sein kann, für sich selbst und seine Lebensweise einzustehen“, sagt Bernardi. Das Thema faszinierte sie - so sehr, dass sie es auch in einem fiktionalen Stoff aufarbeiten wollte. So entstand „Romeos“.
Der Spielfilm handelt von Lukas, der mitten in seiner Geschlechtsumwandlung steckt. Voller Abenteuerlust stürzt sich Lukas in die Kölner Schwulenszene - und verliebt sich ausgerechnet in den Macho Fabio, der keinesfalls hinter Lukas' Geheimnis kommen darf. „Romeos“ ist nicht nur ein rasanter Film über das Erwachsenwerden. Er ist auch ein Film über Köln.
Nicht unbedingt verwunderlich ist deshalb, dass Bernardi 2007 mit dem Filmskript zu „Romeos“ den Drehbuchpreis Köln gewann. „Das war der Startschuss“, sagt die Filmemacherin. „Ab dann arbeiteten wir konsequent darauf hin, auf der Berlinale zu laufen.“ Das Festival ist das wichtigste für junge deutsche Filmemacher. Nirgendwo bekommt der deutsche Film so große internationale Aufmerksamkeit wie hier.
Als Produzentin konnte Bernardi ihre Ex-Kommilitonin Janna Valber vom Stoff überzeugen. Mit ihrer frisch gegründeten Produktionsfirma „Boogiefilm“ übernahm Velber die Entwicklung des Films. „Zum Glück konnte das ZDF als Co-Produzent gewonnen werden“, sagt Bernardi. Mit der Redaktion der ZDF-Debütplattform stellten die jungen Filmemacher ein schmales Budget auf. Von letztem Sommer an wurde gedreht. Den Schauspielern verlangten die Produzenten dabei einiges ab: „Ich wollte keinen Film über eine Szene machen“, sagt Bernardi. Viel lieber habe sie von den Menschen in der Szene berichten wollen. „Bloß keine Klischees über schrille Partymenschen!“ Drei Monate lang musste Hauptdarsteller Rick Okon ein hartes Schauspieltraining durchmachen. „Er musste schließlich glaubhaft vermitteln, dass er eine Vergangenheit als Mädchen hat“, berichtet Bernardi. Und da hätte Okon eben nicht so einfach aus seinen eigenen Pubertätserfahrungen die Emotionen für seine Rolle abrufen können. Doch Okon meistert im Film seine Aufgabe prächtig. „Sowieso hat das ganze Team hervorragend gearbeitet“, sagt Bernardi. „Nur darum ist der Film genauso geworden, wie ich ihn haben wollte.“ Und nur deshalb dürfe er auf der Berlinale laufen. Zunächst wird „Romeos“ noch auf weiteren Festivals zu sehen sein, irgendwann auch im ZDF. Doch vor der Fernsehausstrahlung haben Sabine Bernardi und ihr Team noch etwas mit dem Film vor: „Wir wollen, dass jeder ,Romeos' auf der großen Leinwand sehen kann. Daher arbeiten wir gerade am Kinostart für den Film.“
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