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Schauspiel-Workshop mit Andreas Dresen

08. 05 2017 um 10:00 - 18:00

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Regisseur Andreas Dresen. © Peter Hartwig

Schauspiel-Workshop: Improvisation und Inszenierung vor der Kamera
Von den Marx Brothers heißt es, in ihren Drehbüchern habe an vielen Stellen nur gestanden: »Harpo does something funny.« Und das mit durchschlagendem Erfolg: Einer ihrer Regisseure soll sich beim Dreh in einen schalldichten Glaskasten verzogen haben – seine Lachanfälle hätten sonst die Tonaufnahme verdorben.

Wenn Improvisation im Spielfilm als Methode eingesetzt wird, dann meist als »Mittel der Unmittelbarkeit« (Adorno), um das wahre Leben, authentische Charaktere und natürliche Sprache einzufangen. Improvisation ist das Handwerk der Freiheit und ermöglicht einen kalkulierten Kontrollverlust. Improvisation ist Magie. Und im besten Falle ist Improvisation großer Spaß!

Ziel des viertägigen Workshops ist es, eine erste Einführung in die semidokumentarische Arbeitsweise beim Spielfilm zu geben. Im Zentrum steht dabei die schauspielerische Improvisation vor der Kamera. Der erste Tag des Workshops dient vor allem der Annäherung an die Materie. Die Teilnehmer lernen sich kennen, es erfolgt eine kleine theoretische Einführung, vor allem anhand von Beispielen aus den Produktionen »Halbe Treppe« und »Halt auf freier Strecke«. Dann geht es an die organisatorische Vorbereitung und den Beginn der praktischen Arbeit, die an den folgenden Tagen intensiv stattfindet.

Die Teilnehmer erarbeiten in Gruppen von je zwei bis drei Personen kleine Alltagsgeschichten und Figurenbiografien, die dann vor der Kamera umgesetzt werden. Dabei gibt es keine festgelegten Dialoge oder geplanten Kamerapositionen, kein gesetztes Licht, keine Absperrungen. Die Dreharbeiten finden im geographischen Umfeld gegebenenfalls unter Einbeziehung von Passanten oder Verkehr statt. Aus der anfänglichen, ungeprobten Improvisation wird anschließend unter Anleitung von Andreas Dresen versucht, das szenische Zentrum der jeweiligen Situation herauszuarbeiten.

Den Dreharbeiten jeweils vorangestellt werden Interviews, die Andreas Dresen mit jedem Workshop-Teilnehmer führt und in denen jeder bereits als die Figur agiert, die er sich ausgedacht hat. Das soll den Workshop-Teilnehmern dabei helfen, die jeweilige Situation und den Charakter genauer zu verstehen und zu definieren.

Begleitet wird der Workshop von Kameramann Mathis Hanspach und Tonmeister Roman Höffgen.

Dozent Andreas Dresen
»Ich wollte bei ›Halbe Treppe‹ einfach über meinen eigenen Schatten springen. Ich bin eigentlich ein eher ängstlicher, kontrollbedürftiger Mensch und neige dazu, viel zu planen und das Geplante beim Dreh dann auch unbedingt umsetzen zu wollen. Das hat meine eigenen Filme, wie ich fand, etwas langweilig gemacht.«

Die Bescheidenheit, die aus diesen Worten spricht, ist kein Understatement. Sie passt einfach zu diesem Filmemacher und seinem Selbstverständnis, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Dabei ist Andreas Dresen nicht erst seit »Halbe Treppe« einer der angesehensten, von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeierten deutschen Regisseure. Der Dreh dieses Filmes allerdings, der ohne Drehbuch und nur auf Grundlage einer kleinen Projektbeschreibung von Darstellern und Regie am Set improvisiert wurde, ist mittlerweile legendär. »Halbe Treppe« hat eine Wahrhaftigkeit, die das Publikum in den Bann zieht, mit Schauspielern, die so uneitel und rührend die Geschichte über zwei Paare in der Krise erzählen, dass man als Zuschauer glaubt, bei diesen Menschen mit zu Hause auf dem Sofa zu sitzen und mit ihnen zu lachen und zu weinen.

Andreas Dresen, Jahrgang 1963, hat sein Handwerk an der HFF Potsdam (heute: Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) gelernt. Schon in seinen Studentenfilmen hat er sich mit dem Leben der kleinen Leute in der Wendezeit auseinandergesetzt. Sein erster Spielfilm »Stilles Land« ist das Porträt eines Theaterensembles in einer Kleinstadt in den Tagen vor und nach dem Mauerfall. Vor dem auf der Berlinale ausgezeichneten Film »Halbe Treppe« hatte sich Andreas Dresen bereits in »Nachtgestalten« und »Die Polizistin« mit Improvisation vor der Kamera auseinandergesetzt, einer Technik, die er in »Halbe Treppe«, »Sommer vorm Balkon«, »Wolke 9« und »Halt auf freier Strecke« fortgeführt hat.

Und auch in seinen anderen Arbeiten zeigt sich Dresens filmische Bandbreite und sein Mut, sich ständig neuen Herausforderungen zu stellen und sich somit auch selbst immer weiterzuentwickeln. Mit »Als wir träumten« wagt er sich an die Adaption des gleichnamigen Debütromans von Clemens Meyer und mit der Verfilmung von »Timm Thaler oder das verkaufte Lachen«, der für den deutschen Filmpreis als bester Kinderfilm nominiert ist, erfüllt sich Andreas Dresen einen lang gehegten Traum.

Zielgruppe
Professionelle Schauspieler

Zeitraum:
08. – 11. Mai 2017
4 Termine, 10.00 bis 18.00 Uhr: 08.05., 09.05., 10.05., 11.05.

Mehr Infos zum Schauspiel-Workshop »Improvisation und Inszenierung vor der Kamera« finden Sie in der Ausschreibung.

Details

Datum:
08. 05 2017
Zeit:
10:00 - 18:00

Veranstaltungsort

ifs internationale filmschule köln
Schanzenstraße 28
Köln, 51063
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Veranstalter

ifs internationale filmschule köln
Telefon:
0221 920188100
E-Mail:
info@filmschule.de
Website:
www.filmschule.de