Hofer Goldpreis für ifs-Abschlussfilm »Charly«

Alisa Kolosova & Lukas Röder

Foto: Andreas Rau

Herzlichen Glückwunsch! Der HOFER GOLDPREIS der Friedrich-Baur-Stiftung 2021 geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an und die Regisseurin und ifs-Absolventin Alisa Kolosova für ihren ifs-Abschlussfilm »Charly« und an den Regisseur LUKAS RÖDER für seinen Film »Gehirntattoo«. 
Der HOFER GOLDPREIS der Friedrich-Baur-Stiftung vergeben durch die Bayerische Akademie der schönen Künste in memoriam Heinz Badewitz wurde in diesem Jahr zum vierten Mal vergeben. Er ist einer der höchstdotierten Preise für Nachwuchsfilmemacher, die in Deutschland ausgelobt werden. Der Preis zeichnet die Erstlingsarbeit einer Regisseur*in für einen Langspielfilm deutscher Produktion aus, die in Hof Premiere feiert. Der HOFER GOLDPREIS ist mit einem Wert von zur Zeit ca. 36.000,- € in zertifiziertem Gold dotiert, verbunden mit einer einjährigen Mentoren-Beratung. In diesem Jahr hat Regisseur, Produzent und Leiter der Abteilung Film- und Medienkunst der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Philip Gröning, die Aufgabe übernommen.

In seiner Juronenbegründung heißt es: »Das Kino ist ein Messgerät. Es kann alles messen. Das Herz der Messung aber ist der Zuschauer selbst. Wie Charly, nach dem Zerbrechen ihrer Lebensbeziehung traumartig durch Deutschland wandernd sich und ihre Weltsicht wieder aufbaut und heilt, das ist das eine, was hier erzählt wird. Wie aber ein Deutschland und Menschen, Situationen, die allesamt unter der medialen Ausbeutung verschollen sind, hier wieder langsam sichtbar werden, das ist das andere. Es ist nichts, was erzählt wird. Es ist eher etwas, was dem Zuschauer zustößt. Im besten Sinne des Wortes. Eine fast unmerkliche Öffnung der Sinne. Eine Öffnung kann man nicht wollen. Eine Öffnung geschieht. Und das ist das Problem. Zerrissen zwischen der Uneigentlichkeit ihrer Wünsche und ihrer persönlichen Stärke erlebt Charly das Zerbrechen ihrer Lebensbeziehung, und das ist nur konsequent. Aus der Uneigentlichkeit der eigenen Wünsche aufzutauchen ist umso schwerer, je stärker man ist. Auch die Personen, denen Charly begegnet folgen uneigentlichen Wünschen, leben in einer Gesellschaft in der das Uneigentliche die Norm ist. Charlys irrender Reise folgend bewegt sich schließlich auch die Form des Films: Fort von einer Logik des persönlichen und narrativen Funktionierens und hin zu einer Logik der Vernetzung, der Zufälle die nutzlos erscheinen, und doch in einen Sinn fallen. Dem schauen wir zu. Einer Häutung, die zum Wachstum wird. Langsam, vielschichtig, poetisch.
Und es blieb mir. Blieb im Herzen dieses Messgeräts Kino, das ich als Zuschauer notwendig selber bin. Als Beschreibung unserer Gesellschaft. Und eines der möglichen Gegenmittel. Einer Abkehr vom Wollen.«

Der von der Film- und Medienstiftung NRW geförderte Abschlussfilm »Charly« (Regie: Alisa Kolosova, Drehbuch: Zoe Hagen, Produktion: Luisa Beuschlein, Kamera: Antonia Schäfer, Editing & Sounddesign: Lukas Sydney Loßdörfer, Szenenbild: Lea Preuße, 60 Min.) aus dem Bachelorstudiengang Film feierte seine Festivalpremiere am 27.10. in Hof. Im Mittelpunkt des Roadmovies steht Charly, die nur nach den Erwartungen anderer lebt und vor jeder Konfrontation flüchtet – so auch vor einer bevorstehenden Trennung. Auf dem Weg zurück zu ihrem Verlobten begibt sich Charly auf eine unerwartete Reise mit außergewöhnlichen Begegnungen, die sie schließlich zu sich selbst führen. Wir gratulieren herzlich!

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Hier geht’s zum Clubgespräch mit den Hofer Goldpreis 2021 Gewinner*innen Alisa Kolosova und Lukas Röder.