»Die Regie neu erfinden«

Ausnahmeregisseur Philip Gröning wird neuer Professor an der ifs

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Mit dem Start des Wintersemesters hat der renommierte Regisseur und Produzent Philip Gröning die Professur Inszenierung fiktionaler Narrative in audiovisuellen Medien an der ifs internationale filmschule köln angetreten.

Der vielfach ausgezeichnete Regisseur (u. a. »Die große Stille«, »Die Frau des Polizisten«) gilt als Ausnahmeerscheinung in der deutschen Filmlandschaft. Bei all seinen Filmen zeichnet Philip Gröning in der Tradition des Autorenfilmers verantwortlich für Produktion, Regie, Drehbuch und bei einigen auch für Schnitt und Kamera. Die Weiterentwicklung der erzählerischen Form in die Zukunft hinein ist ihm bei jedem seiner Filme ein zentrales Anliegen. DIE ZEIT hat ihn einmal als »großen Seltenfilmer des deutschen Kinos« bezeichnet. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Gröning zu jedem seiner Filme intensive Recherchen betreibt und sich selbst einen »irren Perfektionismus« attestiert.

Bereits während seines Studiums an der HFF München gründete Gröning seine eigene Produktionsfirma. Erstmals erregte er 1992 mit der Polit-Groteske »Die Terroristen« über ein geplantes Attentat auf Helmut Kohl Aufsehen, deren Fernsehausstrahlung der damalige Bundeskanzler zu verhindern suchte. Internationale Beachtung fand Gröning 2000 für sein Roadmovie »L’amour, l’argent, l’amour«, das in Locarno mit einem Leoparden für das Debüt der Hauptdarstellerin (Sabine Timoteo) ausgezeichnet wurde. Seinen bisher größten Erfolg hatte er 2005 mit dem außergewöhnlichen Film »Die große Stille«, für den er ein halbes Jahr lang das Leben von Kartäuser-Mönchen mit der Kamera begleitet hat. Die dokumentarische Kontemplation gewann u. a. den Special Jury Prize des Sundance Film Festivals, den European Film Award, den Bayerischen Filmpreis und den Preis der deutschen Filmkritik. Auch seine Parabel »Die Frau des Polizisten« wurde 2013 viel beachtet und u. a. mit dem Special Jury Prize in Venedig in ausgezeichnet und war für den Preis der deutschen Filmkritik in fünf Kategorien nominiert. Sein aktueller Film »Mein Bruder Robert« befindet sich in der Postproduktion.
Gröning war auch Mitglied verschiedener Filmjurys (z. B. Venedig, St. Petersburg) und ist Mitglied der European Film Academy, der Deutschen Filmakademie und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Er hat an der Filmakademie Baden-Württemberg und an der CalArts Film gelehrt. 2016/17 war er Stipendiat der deutschen Akademie – Villa Massimo in Rom.

So unterschiedlich seine Filme auch sind – sowohl was die Stoffe, als auch was die Form betrifft – geht es Gröning immer darum, das Publikum tief in seine Gestaltung der Realität hineinzuziehen und den Betrachter zum Miterlebenden zu machen.
Grundlegend beim Filmemachen ist für Gröning auch die Frage, wie ein Film universelle Bedeutung erlangen kann: »Die Suche nach der dem Inhalt entsprechenden Form entscheidet darüber, ob ein Film Gültigkeit haben wird oder nicht.« Seine kompromisslose Art des Filmemachens will er auch den Studierenden an der ifs vermitteln: »Mein Ziel ist es, Studierende dazu zu bringen, eigene Geschichten in ihrer eigenen Weise zu erzählen« – und dabei weit nach vorne zu denken. Es geht also darum, den Nachwuchs zukunftsfähig zu machen. So überrascht es nicht, dass er zum Semesterstart an die ifs-Studierenden appelliert: »Ihr müsst die Regie neu erfinden«.