Von der Hommage bis zum Förderpreis

Starker Auftritt für ifs-Professoren und -Absolventen beim Filmfest München

 

Eine besondere Ehre erweist das Filmfest München (28.06. – 07.07.) in diesem Jahr ifs-Professor Philip Gröning. Ihm ist eine Hommage gewidmet, die den Bogen von seinem aktuellen Schaffen zu seinem Frühwerk spannt. Bei einer Gala am 04.07. um 17.30 Uhr im Gloria Palast in Anwesenheit von Philip Gröning wird sein jüngster Film »Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot« gezeigt. Die Laudatio und eine Einführung zum Film hält der amerikanische Filmemacher Abel Ferrara.

»Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot« (2018; gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW)  ist ein Essay über die Zeit und eine geschwisterliche Beziehung, die sich am liebsten dem Gang der Zeit entziehen würde. Elena bereitet sich gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder Robert auf ihr Abitur in Philosophie vor – in der freien Natur auf einem idyllischen Feld vor einer Tankstelle. Beim gemeinsamen Philosophieren über die Zeit entspinnt sich zwischen den beiden ein Spiel von Nähe und Distanz, das plötzlich blutig eskaliert.

Bereits während seiner Anfänge als Regisseur erzählt Philip Gröning von Widerstand und Gewaltaus-brüchen, von familiären Beziehungen im Angesicht idyllischer Natur. Die Verbindung von Naturbetrachtung und analytischer Beobachtung menschlicher Beziehungen findet sich auch in seinem Debütfilm »Sommer« (1986). Hier versucht ein Vater, sich seinem autistischen Sohn beim Urlaub in einem Hotel in den Alpen anzunähern. Die Wirkung von Gewalt – ebenfalls in Verbindung mit dem Aspekt der Zeit – wird in der  Groteske »Die Terroristen!« (1992) thematisiert, in der drei junge, selbsternannte Terroristen ein Attentat auf Helmut Kohl planen. Zudem zeigt das Filmfest die beiden Kurzfilme »Stachoviak!« (1988) und »Opfer.Zeugen« (1993).

Bei all seinen Filmen zeichnet Philip Gröning auch (mit)verantwortlich für Produktion, Drehbuch und bei einigen auch für Schnitt und Kamera. Bereits während seines Studiums an der HFF München gründete er seine eigene Produktionsfirma. DIE ZEIT hat ihn einmal als »großen Seltenfilmer des deutschen Kinos« bezeichnet. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Gröning zu jedem seiner Filme intensive Recherchen betreibt und sich selbst einen »irren Perfektionismus« attestiert.
Seine kompromisslose Art des Filmemachens vermittelt er seit September 2017 im Rahmen seiner Professur »Inszenierung fiktionaler Narrative in audiovisuellen Medien« auch den Studierenden an der ifs.

Auch weitere Professoren der ifs sind mit Filmen in München vertreten:
Eröffnet wird das Filmfest mit der Weltpremiere von »Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm« (R: Joachim A. Lang). Die Kamera bei der hochkarätig besetzten Produktion verantwortet David Slama, Professor an der ifs für Kamera/Spielfilm. Der Film eröffnet neue Perspektiven auf ein zeitloses Meisterwerk. Besonders authentisch dabei: Alles, was Brecht im Film sagt, beruht auf Zitaten aus seinem gesamten Werk und Leben.

Das aktuelle Drama »Hanne« von Regisseur und ifs-Professor Dominik Graf ist in der Reihe Neues Deutsches Fernsehen zu sehen. Erstmals hat Dominik Graf hier mit Schauspielerin Iris Berben zusammen gearbeitet.

Auch das Schaffen von Absolventen der ifs-Weiterbildungsprogramme kann man in München verfolgen: Jakob Weydemann und Till Derenbach, beide ehemalige Teilnehmer des Programms International Producing, präsentieren ihre neuen Filme und sind für den Förderpreis Neues Deutsches Kino nominiert. Und auch Stephan Lacant und Max Eipp, die das ifs- Autorenprogramm absolviert haben, zeigen in München ihre neuesten Arbeiten.