Das Land neu entdeckt

Studierende der Filmschule produzieren Film zum Bürgerfest NRW

Kölnische Rundschau, 26.08.2016

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Foto: ifs

Für Geburtstagsüberraschungen gilt: Man weiß nicht, was man bekommt. Ungefähr so ging es Larissa Rausch (20), Alexandra Vahlkamp (21), Jeannine Compère (23), Max Rodegra (21) und Cedric Engels (20) bei der Sichtung der Videomaterials für das Projekt „unserNRW“. Nur dass die Studierenden der Internationalen Filmschule Köln (ifs) nicht die zu Überraschenden sind, sondern ein besonderes Geschenk vorbereitet haben: Einen Film zum 70. Geburtstag des Landes NRW. Zusammengestellt aus rund 100 Videoclips von Bürgern, Bands und Gruppenaus diesem Bundesland. Gut fünf Wochen hatten sie Zeit, aus den kurzen, persönlichen Geschichten einen Film zu machen. Beim NRW-Tag morgen in Düsseldorf ist das Ergebnis zu sehen.

„Normalerweise hat man eine Idee im Kopf, aber hier hat man viele Filme und muss schauen, was man daraus macht“, sagt Filmemacherin Jeannine Compère, die den Fachschwerpunkt Editing studiert. Aber gerade diese andere Herangehensweise an einen Film war es, die die fünf Studierenden reizte. Neben zwei Editoren sind nicht die Fachbereiche Produktion und Filmschnitt vertreten. Von Anfang Juni bis Mitte Juli hatte das Land alle Bürger aufgerufen, bei youtube kleine Videosequenzen unter dem Hashtag unserNRW einzustellen. Heraus kamen unterschiedlichste Bilder eines Landes: Von schönen Sonnenuntergängen über Bahnfahrten durchs Land bis hin zu Filmen über die Menschen, die NRW ausmachen.

„Im Endeffekt sind ganz viele Filmemacher daran beteiligt, und wir müssen eine Geschichte daraus machen“, fasst Alexandra Vahlkamp ihre Aufgabe zusammen. Ein Konzept, ein roter Faden musste her-so die vorrangige Aufgabe. „Der Film sollte schließlich unsere Handschrift bekommen“, sagt Produktionsstudent Cedric Engels. Den Rahmen und Rhythmus gaben Szenen aus verschiedenen Verkehrsmitteln her – eine Reise durch Nordrhein-Westfalensollte es werden, das stand bald fest. Eine Reise, die die verschiedenen Menschen des aus Westfalen, Lippe und Rheinland zusammengesetzten Landes Zeigt. „Wir bewegen uns durch NRW und reden mit den Menschen, was sie in NRW bewegt“, fasst Cedric Engels das letztendliche Konzept zusammen. Und so begaben sich die fünf Studierenden selbst auf Spurensuche in NRW.

Diese führte sie zum Beispiel nach Geldern zu den „Goldies“, einem Seniorenchor mit über 30 Aktiven. „Sie leben länger hier, als es das Land gibt“, sagt Cedric Engels. Durch die Interviews kamen die fünf selbst viel herum, entdeckten unbekannte Seiten des Landes. „Ich habe NRW neu kennengelernt, bin zum Beispiel das erste Mal Schwebebahn gefahren“, erzählt Alexandra Vahlkamp. Dabei trafen sie auf völlig unterschiedliche Geschichten und Menschen: Die Flüchtlingsschulklasse, die die Stadt Minden für sich entdeckte. Das Filmemacher-Duo, das die Geschichte eines Leerstehenden Dorfes, das dem Braunkohlabbau weichen muss, erzählt. „Wir wollten bewusst nicht nur die schönen Seiten des Landes zeigen, sondern auch kritischen, ohne zu werten“, sagt Cedric Engels.

Nachdem der Faden gefunden, das Material zusammengeschnitten und die passende Musik unterlegt war, steigt jetzt Lampenfieber vor der Premiere. Zu sehen sein wird der Film nicht nur am Samstag in Düsseldorf, sondern danach auch online.

von Bianca Pohlmann