Abschlussfilmdreh: »Der Streuner« im Wildpark

Ein Student der Filmschule Köln dreht am Reuschenberger Tierpark seinen Abschlussfilm.

von Rosanna Großmann (Leverkusener Anzeiger, 02.09.2020)


Simon Morzé, Cora Trube, Regisseur Björn Grzemba und Anna Herrmann bei den Dreharbeiten im Wildpark. Foto: Britta Berg

 

„Wir gehen auf Anfang“. Große, schwarze Moltontücher sind auf Stützen gespannt, ein Scheinwerfer leuchtet von der Seite. Die schwere Kamera ist auf einem über das Geländer gelegte Brett aufgebaut. Björn Grzemba, Bachelorstudent an der Internationalen Filmschule Köln (ifs), dreht eine Szene seines Abschlussfilms im Reuschenberger Tierpark.
„Klapp“ – „Set“ – „Und Bitte!“ Die Schauspieler sind eingekesselt von Blenden und Abblenden, um ihre Gesichter genau auszuleuchten. Drumherum ist die Crew versammelt, der Tonman steht mit seiner Angel im Gebüsch. Hauptdarsteller Simon Morzé lehnt am Geländer, sucht nach dem Fuchs. Seine Figur Vincent ist ein Streuner, ein „Nichtsnutz“, stetig auf der Suche nach einem Schlafplatz. 

Ausflug in den Zoo
Bis er die alleinerziehende Zala (Anna Herrmann) und ihre Tochter Lily (Cora Trube) kennenlernt. Gemeinsam unternehmen die drei einen Ausflug in den Zoo. Derzeit ist es schwierig, in Zoos zu drehen. Dank des Leverkusener Kameramanns André Becker fand die Crew den Tierpark als Drehort. Am Dienstag früh, vor der Öffnung des Parks für Publikum, wird eine Szene gefilmt, in der Vincent zum Fuchs ins Gehege springt. Regisseur Grzemba ist hochkonzentriert. An dem Drehbuch für seinen 30-minütigen Spielfilm hat er seit über einem Jahr geschrieben. Eigentlich hätte der Dreh schon im März stattfinden sollen, er wurde auf Grund der Krise verschoben.
„Die Schauspieler mussten vorher für fünf Tage in Quarantäne und getestet werden“, erzählt Regieassistentin Maya Klemens. Alle arbeiten unentgeltlich, Standard bei studentischen Drehs. Die meisten Mitarbeitenden sind auch Studenten der Filmschule. Abstände müssen eingehalten werden, hinter der Kamera werden bei Innenaufnahmen Masken getragen.
Ein Zug nach dem anderen rauscht vorbei, jemand unterhält sich, Kirchenglocken läuten – es ist gar nicht so einfach eine gute Tonaufnahme zu bekommen. Exotische Vögel rufen durch den Park, und im Gehege nebenan werden die geschmeidig durchs Wasser gleitenden Otter gefüttert. Doch der Take ist im Kasten, acht Minuten Umbau. Die Stoffwand wird verschoben, die Gestelle mit Sandsäcken beschwert. Kinderdarstellerin Cora Trube schaut nach den Schildkröten.
Der von der Film- und Medienstiftung NRW geförderte Film „Der Streuner“ ist Grzembas Abschlussarbeit nach drei Jahren ifs. Wie es danach weitergeht, das ist während des Drehs nicht die richtige Frage für den 25-Jährigen. Die nächste Aufnahme steht an, Grzemba muss noch einmal mit den Schauspielern sprechen. Die Parkmitarbeiter werden gebeten, kurz mit der Arbeit aufzuhören. Die Kamera wird für einen neuen Bildausschnitt umpositioniert. Alle werden still. „Wieder auf Anfang!“