Die ifs – VFX op Kölsch?

VFX Seminar an der ifs

Mit der Internationalen Filmschule Köln wird der Brückenschlag zwischen künstlerischem Schaffen und wissenschaftlicher Arbeitsweise unternommen. Ergebnis dieser Symbiose: Auszeichnungen mit Prestigefaktor, etwa dem Studenten-Oscar für „Die Schaukel des Sargmachers“. Beim Staatlich-oder-nicht-staatlich-Wirrwarr der Filmschulen geht die ifs einen Sonderweg: Sie wird vom Land NRW und der Film- und Medienstiftung NRW maßgeblich finanziert und vergibt staatliche Abschlüsse – ermöglicht durch eine Kooperation mit der TH Köln, bei der auch die ProfessorInnen der ifs angestellt sind. Keinesfalls hintangestellt: eure Ausbildung. Die gehört ganz nach vorne. Deswegen schauen wir uns die jetzt im Detail an.

Bewerbung und Bildung

Das Aufnahmeverfahren der ifs sieht wie folgt aus: Zuerst müsst ihr zehn künstlerische Arbeiten einreichen. Damit möchte die ifs eure bestehenden Fähigkeiten in Sachen Gestaltung, Storytelling und Technik herausfinden. Gerne werden Bewerber gesehen, die Vorwissen zu Zeichenstilen, Storyboarding, Charakter Design, Bildbearbeitung oder Filmgeschichte mitbringen. Wenn ihr in eurer Bewerbungsmappe dann zusätzlich VFX-Showreels, Animationsfilme oder andere Nachweise eures Könnens präsentiert, umso besser. Diejenigen Bewerber, deren Mappe überzeugt, werden nach Köln eingeladen. An einem Tag werden den Bewerbern Aufgaben gestellt zu Raum- und Bildverständnis, technischen Grundlagen der 2D-Bildbearbeitung und auch zur Teamfähigkeit. Anschließend steht ihr der Aufnahmekommission gegenüber, die euch ein wenig auf den künstlerisch-gestalterischen Zahn fühlen wird.
Der reine Fachunterricht zu VFX macht 45% aus, die Film- und Medienwissenschaften machen 15% aus. Die verbleibenden 40% bestehen aus Projektarbeiten. Aufgrund des hoch spezialisierten Unterrichts der jeweiligen Fachbereiche sind keine Wahlfächer möglich.
Auch an der ifs ist man Corona-bedingt von Präsenz auf Remote umgestiegen. Alle Studis haben einen Remote-Zugang, über den sie die Schulrechner ansteuern. In Zeiten außerhalb von Pandemien ist Präsenzunterricht angesagt, doch bestimmte Onlinekurse, die sich während der Umstellung auf Fernlehre als dafür geeignet herausgestellt haben, sollen auch nach Covid online bleiben. Das sagte uns ein Student zum Remote-Zugriff an der ifs: „Als Studierende greifen wir von außen auf das Intranet zu, auf dem wir Stundenpläne, Semesterpläne, Vorlesungsverzeichnisse oder Aufgabenstellungen einsehen. Zusätzlich gibt es eine Onlineplattform namens Spaces, auf der wir uns untereinander austauschen können.“

Rundgang durchs Studium

Jedem VFX-Jahrgang wird ein eigener Raum gestellt. Hier findet jeder Studi für sich ganz allein eine Workstation mit zwei bis drei Monitoren, verbunden mit einer leistungsstarken Renderfarm und ein Grafiktablet. Solltet ihr mal die ifs-eigene Renderfarm sprengen, könnt ihr immer noch auf die Renderfarm der Fachhochschule Hamm-Lippstadt zugreifen – der Fachbereich VFX & Animation kooperiert regelmäßig mit der FH. Die Entwicklung des Systems hatten wir in der DP 01:21 schon vorgestellt.
Aber zurück an die ifs: Es gibt insgesamt acht Edit-Suiten, in die ihr euch zurückziehen könnt, um digital an euren Projekten zu schnippeln. Wer auch beim Filmschnitt mehr das Miteinander sucht, der macht sich auf in den Edit-Space, hockt sich an einen von zehn Schnittplätzen und verkrümelt sich gleich in den großen Aufenthaltsraum, um bei einem Kaffee darüber zu fachsimpeln, wieso Avid besser als Final Cut ist.
Gestärkt mit Koffein und einer Dosis TechTalk geht es zurück ans Werk, etwa ins Tonstudio, in eine von zwei Grading-Suiten oder ins zentrale Shared-Storage-System. Den Film fertig geschnitten, geht es an die Tonmischung. Im 160 Plätze starken Kino gibt es ein Dolby-Atmos-System. Und falls das studentische Testscreening scheitert, geht es ab zur Krisensitzung in eines von fünf Produktionsbüros. Als VFXler macht ihr euch zu schaffen an Maya, Nuke, Houdini, Mari, Substance Painter, Blender, Toon Boom und Unreal, um nur die wichtigsten Tools zu nennen. Falls euch mal ein Tool unterkommt, das euch auf dem Uni-Rechner abgeht: Einfach die IT-Abteilung eures Fachbereichs anstupsen und exotische Tools in der Prä-Alpha-Phase einfordern.
Die ifs hat ein 300 Quadratmeter großes Studio mit fahrbaren Licht-Traversen und Greenscreenwänden. Wem die 300 Quadratmeter nicht ausreichen, um seine Produktion auszubreiten, der expandiert in eine der Werkstätten – es gibt eine große, und eine kleine. Bevor es ans Filmen geht, schaut ihr im Kamera- und Lichtlager vorbei, dieses ist bestückt mit mehreren Alexa-Kameras, Dollys, LED-Lichtern und Grip-Equipment Progressive Studis mit Affinität für die nächste Generation der Unterhaltungselektronik ziehen sich eine VR-Brille (Vive) über den Kopf, experimentieren mit dem 3D-Drucker und schlüpfen in MoCap-Anzüge (Xsens).
Was den Zugang zu Stock-Footage angeht, bietet euch die ifs unbegrenztes Kontingent bei Textures.com und freien Zugang zur Substance Painter Library. Benötigt ihr für euer Filmprojekt unbedingt Stock Footage von Anbieter XYZ, könnt ihr auf das Entgegenkommen der ifs setzen, denn bei Bedarf wird der Zugang nachgekauft. Braucht ihr mal eine Pause vom Studentenalltag und wollt euch an cineastischen Leckerbissen verköstigen? Einfach auf Mubi oder Filmfriends zugreifen, oder auf die ifs-Mediathek.

Spezialisten der Filmbranche

Wer an der ifs studiert, der setzt in der Regel seinen Berufswunsch Film in die Realität um. Deshalb werdet ihr euch als Studi an der ifs stark spezialisieren, was didaktischen Nebenschauplätzen kaum Raum lässt. Im ersten Teil des Studiums lernt ihr gemeinsam die Basics, etwa zu Filmgeschichte, Filmanalyse oder Medientheorie. Im zweiten Teil geht es an die Spezialisierung, dabei werdet ihr individuell unterstützt.
Dennoch gibt es, und das bereits im ersten Semester, fachübergreifende Seminare. In denen lernen die unterschiedlichen Fachgruppen voneinander. Beispielsweise drehen Kamera-Studis einen kleinen Clip, in dem VFXler das Matte Painting, ein 3D-Element und ein Greenscreenelement übernehmen. So werdet ihr gleich zu Studienbeginn ans Zusammenspiel der unterschiedlichen Gewerke herangeführt. Ein Praxisbeispiel aus dem ersten Semester sehr ihr hier.
Nach diesen Erstsemesterprojekten haben sich alle Studierenden eines Jahrgangs gegenseitig beschnuppert. Überhaupt bezeichnet die ifs die Zusammenarbeit als Herzstück ihrer Schule. Jedes Semester setzt ein neues Filmprojekt um, und jedes Semester werden diese Filmprojekte ein klein wenig länger – und damit ein klein wenig fordernder. Dabei sind alle Gewerke beteiligt. Die Studis bilden hierbei Gruppen aus Drehbuch, Regie, Kamera, Produktion, Szenenbild, Schnitt/Sound und – selbstverständlich auch – VFX & Animation. So entwickelt und realisiert jedes Team beispielsweise im zweiten Semester einen fünfminütigen Kurzfilm, wobei jede und jeder die spezifischen Aufgaben seines Gewerks übernimmt. Eben genauso, wie es später im Berufsleben sein wird. Wie das aussieht, was die VFXler bei diesen Kurzfilmprojekten zaubern, seht ihr euch am besten auf dem Vimeo-Account der ifs an.
Worin die jahrelange Zusammenarbeit mit euren Co-Studis gipfeln kann, seht ihr im Trailer zum VFX-Kurzfilm „Rocket Roaches“. Krabbelgetierphobiker sollten die Augen lieber geschlossen lassen.
Könnt ihr hingegen vom großen Krabbeln – vor allem in musikalischer Hinsicht – nicht genug bekommen, dann staunt ihr über die instrumentalen Variationen in „Spider Jazz“, einem Kurzfilm von ifs-Studenten Mick Mahler.

Nach dem Studium…

… ab in die Forschung – oder doch die Industrie? Wenn es euch in die Industrie zieht, dann habt ihr Gelegenheit dazu, denn im vierten und fünften Semester absolviert ihr ein fünfmonatiges Praktikum. Firmen können für Praktika anfragen – feste Kooperationen gibt es keine. Doch keine Bange, die ifs unterstützt euch bei der Suche nach einem Praktikumsplatz. Als VFX-Studi an der ifs werdet ihr – und das in Jahrestaktung – zwei der wichtigsten internationalen Konferenzen Europas besuchen. Einmal die FMX in Stuttgart und dann das Festival d‘Animation in Annecy. Fahrtkosten, Unterkunft, Reise und Tickets sind in den Studiengebühren enthalten. Zum Ende der Studienzeit lädt die ifs VFX-Firmen ein, die neugierig auf die Absolventen-Showreels sind.
Im Modul Branche & Beruf im letzten Studiensemester wird aus euch ein Young Professional, wenn es um Businessthemen geht. Dazu gehören die Beratung durch Alumni (Themen: internationaler Arbeitsplatz, Arbeitsbedingungen in großen Firmen, Einstiegsgehalt), die Beratung durch Freelancer (Themen: Eigenmarketing, Honorare, Steuern & Rechnungsstellung), die Beratung durch Business-Planer (Themen: Selbstständigkeit versus Freelancing, Firmengründung, Steuern, Altersvorsorge).

Interview mit Donna Hanisch

Wenn ihr jetzt mit einem Studium an der ifs liebäugelt, es euch womöglich nur noch an entscheidenden Informationen fehlt, dann lohnt unser Interview mit Studiengangsleiterin Donna Hanisch, in dem sie euch Fragen zum Studierendenalltag beantwortet.

Digital Production: Wie wohnt und lebt es sich als Studierender der ifs?

Donna Hanisch: Die Studiengänge der ifs werden in Kooperation mit der TH Köln angeboten. Für die Studierenden der ifs bietet die Kooperation mit der TH Köln viele Vorteile. So können sie sich als reguläre Studierende der TH einschreiben und haben somit Zugang zu den Serviceleistungen der Hochschule. Dazu zählen diverse Beratungsangebote wie zum Beispiel die allgemeine Studienberatung, Beratung für Studierende mit Kind oder Beeinträchtigungen. Außerdem erhalten die eingeschriebenen Studierenden ein Semesterticket, können am Hochschulsport teilnehmen und sich auf die Wohnheimplätze des Studierendenwerks bewerben. Die Mieten liegen zwischen 150 und 400 Euro. Unterm Strich belaufen sich die Kosten für das Studentenleben in Köln auf circa 800 Euro pro Monat.

DP: Ist die Uni gut zu erreichen?

Donna Hanisch: Der Campus liegt ungefähr acht Kilometer vom Stadtzentrum entfernt im Kultur- und Medienstandort Schanzenviertel, wo TV-Studios, Konzerthallen und auch das Schauspielhaus Köln angesiedelt sind. Gut ist der Campus mit der Bahn oder dem Fahrrad zu erreichen. Alle Uni-Räumlichkeiten sind in einem Gebäude untergebracht beziehungsweise das Studio, die Werkstatt, die Technikausleihe und das Auditorium im Gebäude nebenan.

DP: Findet man als Studi schnell Anschluss?

Donna Hanisch: Der ältere Jahrgang einer Fachrichtung lädt zum Auftakt den jeweiligen jüngeren Jahrgang zu einem kleinen Kennenlern-Event ein. Jede Woche Donnerstag gibt es um 17 Uhr eine einstündige Veranstaltung für die ganze Schule, bei der werden Getränke zum Selbstkostenpreis ausgeschenkt.

DP: Wie läuft die Dozentenkommunikation an der ifs ab?

Donna Hanisch: Der zuständige Prof ist hauptsächlich für die Betreuung der Projektarbeit zuständig. Die professorale Betreuung findet einmal in der Woche statt, dann werden die Projektstände präsentiert und im Plenum diskutiert. Ansonsten ist der Prof telefonisch erreichbar, steht zwecks Einzelberatungen abrufbereit. Einen heißen Draht zur Branche haben die Studierenden darüber hinaus auch durch die vielen Dozenten und Tutoren aus der Branche. Ansonsten gibt es eine organisatorische Betreuung vor Ort – also durch die Leitung und die Assistenz des Fachbereichs. Auch die IT ist immer ansprechbar.

DP: Von wann bis wann sind die Räumlichkeiten der ifs geöffnet?

Donna Hanisch: Die Studierenden haben 24/7 Zutritt zu den Unterrichtsräumen. In den VFX-Klassenräumen lässt es sich leben, denn Gesprächsinseln aus Sofa, Sessel und Tischchen laden die Gesprächsatmosphäre positiv auf. Oder man trifft sich im großen Aufenthaltsraum, in leeren Unterrichtsräumen, in einem der Produktionsbüros oder –besonders im Sommer – dem Außengelände der Filmschule.