Ehemaliges Industrieareal in Mülheim wird Hochschulstandort

Die Internationale Filmschule und das Cologne Game Lab sind an die Schanzenstraße nach Mülheim gezogen.

Kölner Stadt-Anzeiger, 28.09.2015

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Foto: ifs

Mülheim. Mülheim wandelt sich weiter. Das einstige Industrieareal an der Schanzenstraße ist längst zum Quartier für Medien und Kreative geworden, auch die Hochschulen und Studenten haben den Stadtteil für sich entdeckt.

Einer der jüngsten Zugänge ist die Internationale Filmschule Köln, die seit dem Frühjahr ihr Zuhause um die Ecke der Keupstraße bezogen hat. Neue Adresse ist das einstige Verwaltungsgebäude des Kabelfabrikanten Felten&Guilleaume an der Schanzenstraße.

„In der Werderstraße hatten wir weder einen geeigneten Vorführraum noch ein Studio, in dem wir hätten drehen können. Die gesamte Technik lagerte zudem im vierten Stock und musste ständig über den Aufzug transportiert werden“, fasst Direktorin Simone Stewens die Gründe für den Umzug vom Belgischen Viertel nach Mülheim zusammen.

Heute können die Studierenden bequem mit dem Transporter vorfahren und die Ausrüstung im ebenerdigen Lager ein- und ausladen. Ein weiterer wichtiger Grund, der für Mülheim gesprochen habe, seien die vergleichsweise attraktiven finanziellen Konditionen gewesen: Der Eigentümer des Gebäudes habe den gleichen Mietpreis angeboten, den die Hochschule zuvor in der Innenstadt gezahlt hatte – allerdings bei einer zusätzlichen Nutzfläche von 1500 Quadratmetern.

Platz, der nun unter anderem für ein großes Tonstudio und eine erweiterte Mediathek zur Verfügung steht. Und dann wäre da noch das Gebäude selbst, das mit seinen hohen Decken und dem repräsentativ angelegten Treppenhaus echten Universitätscharme versprüht.

Endlich Platz zum Ausbreiten

Die neuen Möglichkeiten kommen auch unter den Studierenden gut an: „Das Gebäude ist schon imposant“, findet Maren Unterburger, die an der Filmschule derzeit ihren Bachelor in „Editing Bild und Ton“ macht. „In den neuen Schnittkabinen ist noch professionelleres Arbeiten als vorher möglich“, sagt die 28-Jährige. Auf eine eigene Cafeteria müssen Dozenten und Studenten momentan zwar noch verzichten, „aber auch daran arbeiten wir“, verspricht Direktorin Stewens.

Ebenfalls nach Mülheim gewechselt ist das Cologne Game Lab (CGL) der Technischen Hochschule Köln (TH), das vor allem für die Computerspielbranche ausbildet. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Filmschule bezog das Institut zu Beginn des Sommersemesters 2015 das zweite Obergeschoss in der Schanzenstraße 28.

„Wir haben jetzt endlich einmal Platz, um uns auszubreiten“, sagt Kodirektor Björn Bartholdy. Am alten Standort in der Mainzer Straße war der Studierendenalltag bis zum Umzug von zahlreichen Provisorien geprägt: Die wenigen Unterrichtsräume hatte man sich mit Studierenden des Restaurationsstudienganges und der Köln International School of Design teilen müssen.

Die neuen Studienbereiche innerhalb des denkmalgeschützten Gebäudes sind unterteilt in mehrere größere Lofts, in denen sich die Entwicklerteams zusammenfinden und an ihren Spieleprototypen arbeiten können.

Leger gestaltet sich auch die wissenschaftliche Recherche, die in einer mit Sofas und mehreren Flachbildschirmen ausgestatteten Zone – dem Spielzimmer – stattfindet. „Das alles ist schon Luxus. Hochschule findet ja sonst gewöhnlich in klassischen Seminarräumen statt“, sagt Bartholdy.

Preisweite Mieten

Auch die Südstadt und der Rheinauhafen hatten für das neue Quartier zur Diskussion gestanden. Den Ausschlag für Mülheim habe aber auch hier die preiswerte Miete gegeben. „Wir sind hier definitiv in einer der letzten Oasen Kölns gelandet“, sagt Bartholdy.
Seit der Einführung des Bachelorstudiengangs „Digital Games“ im Jahr 2014 ist die Studierendenzahl am Game Lab auf 130 gestiegen. Bei vollem Ausbau rechnet Bartholdy künftig mit 200 bis 250 Plätzen, inklusive mehrerer Stellen für das Erasmus-Austauschprogramm, an dem das CGL ab Oktober erstmals teilnehmen wird.

Aber auch die Zahl der Professuren wächst kräftig auf insgesamt neun bis 2016. „Das bringt uns im Vergleich zu anderen öffentlichen Hochschulen in Deutschland in die Pole Position“, so Bartholdy stolz. Unter den Berufenen findet sich einiges an Erfahrung: Bernd Diemer, der beim Entwickler Crytek am Erfolg von „Crysis“ mitarbeitete, übernimmt die Professur Game-Design, Odile Limpach, die Game Economics lehren wird, wechselt von Ubisoft.

Große Pläne bestehen auch hinsichtlich der künftigen Zusammenarbeit von CGL und Internationaler Filmschule: Ein gemeinsamer Hörsaal entsteht derzeit zusammen mit einem Filmstudio im Nachbargebäude, in dem sich einst die Kantine von Felten&Guilleaume befand. Das Audimax „mit kinoähnlichen Eigenschaften“, wie Simone Stewens es nennt, soll Platz für bis zu 175 Studenten bieten. „Neben Vorlesungen und Filmvorführungen werden wir die Räume dann auch für unsere jährlich stattfindende Games-Konferenz »Clash of Reality« nutzen“, sagt Björn Bartholdy.

von Martin Boldt