Ein Großprojekt – Ein spektakuläres Desaster

Beim Dreh in der TH gibt Regisseur Simon Schneider (l.) seinem Hauptdarsteller Cornelius Schwalm letzte Anweisungen. Foto: Tim Egner

Von Michael Kupper

Gummersbach. Durch einen dunklen, verrauchten Raum ranken sich dicke, verschmorte Kabel, Taschenlampen beleuchten das Chaos voller Löschschaum. Im Gespräch mit der geschockten Projektleiterin (Annekatharin Bach) ist Bauleiter Thomas Zetzsche (Cornelius Schwalm) fassungslos darüber, dass die Brandschutzanlage nicht funktioniert hat.

Die Szene ist Teil des 30-minütigen Abschlussfilms “Zeitpunkt X” von Studenten der Internationalen filmschule (ifs) Köln und wurde im Technikraum des Campus Gummersbach der TH Köln gedreht. Die Kurzfilm-Satire handelt vom Scheitern eines Prestige-Projekts kurz vor der Fertigstellung. Im Zuge der letzten Tests treten immer wieder schwerwiegende Mängel auf und schließlich muss der Bauleiter feststellen, dass er die Kontrolle über sein Bauwerk verloren hat.

Der in Bayern geborene Regisseur Simon Schneider will mit dem Film zeigen, dass der Zusammenschluss von Menschen ein Potenzial entfalten kann, das die Leistung eines einzelnen bei Weitem übertreffen kann. Umgekehrt könne der Selbstverwirklichungsdrang der Akteure eine erfolgreiche Umsetzung des Großprojekts aber auch so behindern, dass Mängel erst in der Endphase offenbar werden.

Inspiriert von den Fiaksos beim Bau des Berliner Flughafens BER, bei Stuttgart 21 und bei der Kölner Oper beleuchtet der 25-jährige Drehbuchautor Dario Haramustek aus Neunkirchen-Seelscheid die Interessenkonflikte bei der Verwirklichung von preisgekrönten Designerträumen aus Edlstahl und Glas. Gleichzeitig offenbare die Geschichte eine zunehmende Feindlichkeit von Menschen und Systemen, sagt Haramustek: “Wir haben uns künstlich eine Welt geschaffen, die wir nicht mehr unter Kontrolle haben.”

Die 23-jährige Produzentin Franziska Wieden aus Leverkusen lobt Schneiders Komik und seine Herangehensweise, “an den Kern der uns umgebenden Fragen unserer Zeit zu gelangen”.

Sie hält gerade die Angst vor dem Scheitern für den Grund dafür, dass Fehler in Detailkonstruktionen bei gewaltigen Bauprojekten verschwiegen werden. “Natürlich ist das, was hier im Rahmen eines Bauprojekts geschieht, eine Parabel auf das, was überall passiert.”

“Zeitpunkt X” wird vom Freistaat Thüringen gefördert. Die meisten übrigen Drehtage fanden darum hauptsächlich dort, aber auch im Hochschulstandort Köln statt.

Geplant ist, dass der Kurzfilm im März 2021 fertig ist und dann auch auf Filmfestivals eingereicht wird.