Einblicke in die Welt des Films

Tag der offenen Tür. Besucher konnten sich in der Internationalen Schule über Studium und Medienbranche informieren.

Kölner Stadt-Anzeiger, 30.06.2016

Tag der offenen Tür Einblicke in die Welt des Films_Christopher Grigat
Foto: ifs

Mülheim. Filme drehen, das kann heutzutage jeder. Man braucht nur ein Smartphone oder eine Digitalkamera, außerdem ein Schnittprogramm. Ein Publikum zu finden ist nicht schwer: Auf auf YouTube. Doch um aus der Filmerei einen Beruf zu machen und den Lebensunterhalt zu verdienen, gehört viel mehr: Jahrelanges Studium, fundierte Kenntnisse in Regie, Drehbuch schreiben, Szenenbau, Kameraführung, Editoring, 3-D-Technik.

Das ließ sich jetzt in der Internationalen Filmschule (ifs) an der Schanzenstraße beim Tag der offenen Tür besichtigen: “Den Tag veranstalten wir jedes Jahr”, erklärte Geschäftsführer Rainer Weiland, “auch damit sich mögliche Bewerber einen Einblick verschaffen können.” Ende August läuft die Bewerbungsfrist für den neuen Jahrgang ab, der starte nur alle zwei Maximal 70 Bewerber werden aufgenommen. Die ifs ist eine Einrichtung des Landes NRW und kooperiert mit der Technischen Hochschule. Das Studium dauert sieben Semester und endet mit dem Bachelor-Abschluss. Pro Semester fallen 1750 Euro Studiengebühren an. “Bei uns herrscht das Prinzip der Praxisnähe”, sagte Weiland. “Wir bilden teamfähige Spezialisten aus, 70 Prozent unserer Absolventen finden nach drei Monaten einen Job.”

Max und Tom, beide 14 Jahre alt, waren aus Troisdorf gekommen. Im Internet sei er auf die Webseite der ifs gestoßen, er habe nach Möglichkeiten gesucht, sich zu informieren, sagte Max. “Wir drehen schon länger zusammen Kurzfilme, aber nur so für uns, den Inhalt kann man schlecht beschreiben, es geht in Richtung Comedy.” Tom sagte, eines habe er bereits gelernt: “Es ist wichtig, dass man eine Grundidee hat und die verfolgt.” Die beiden Jungs schlenderten neugierig umher. Andere Besucher hatten sich im Programmflyer rechtzeitig einen Workshop rausgesucht. Die Auswahl war riesig: Fast 30 Veranstaltungen fanden statt, unter anderem zu Kameraführung, Drehbuchschreiben, Geräusche machen, Schnitt, Inszenierung, Digitale Animation, Filmvorführungen gab es ebenfalls, außerdem Podiumsgespräche mit Dozenten, etwas zur Frage: “Regie studieren – und dann?” In der Szenenbau-Werk statt standen Lucia Heise (23) und Kathi Müller (22) – die beiden unabhängig voneinander da waren – an der Werkbank, gehüllt in weißen Schutzanzügen. Mit Kämmen zogen sie braune Farbe über Pappstreifen, so dass die aussahen, als wären es Holzbretter. Nach ihrem BWL-Studium sei sie auf der Suche nach einer beruflichen Alternative im “künstlerischen Bereich”, erzählte Heise. Ähnlich Müller: “Ich bin Schauspielerin, habe aber gemerkt, dass ich den ständigen Druck nicht gut aushalte, vielleicht liegt es mir doch mehr, hinter der Bühne zu arbeiten.

Melchior Rasch hat seinen Ausbildungsplatz schon sicher, im August beginnt er die Lehre als Maßschneider im Modeatelier von Maria Lucas. In der ifs sag er sich in der Werkstatt  für Kostümbild um, geriet ins Fachsimpeln mit Kostümbildnerin Mandy Becker. “Frau Lucas hat mich hergeschickt, meinte, ich soll mir ein paar Anregungen holen”, erzählte er, griff sich die Bluse und Bürste und fing an zu patinieren. So nennt man es, wenn man nagelneue Kleidungsstücke durch gezielten Abrieb in gebrauchte verwandelt.

In der Schnittwerkstatt hockte Editor Maximilian Rodegra vor dem Rechnerpult, während auf der Großleinwand ein kürzlich fertig gestellter Abschlussfilm lief. Seine Rolle sehe er so: “Der Regisseur hat eine Vision, der Editor setzt sie um, es ist eine intime Zusammenarbeit, ein Werk gelingt nur, wenn sich alle diesem Projekt unterordnen.”

von Karine Waldschmidt