Improvisationstalent statt Routine

Fünf Studenten der Internationalen Filmschule drehen ihre Abschlussarbeit

Kölnische Rundschau, 28.08.2015

Foto: Alexander Jarosch
Foto: Alexander Jarosch

Leon kniet vor seinem grünen Rosensofa. Im Gras findet er ein Haar. Der Architekt weiß nicht, ob es von seiner echten oder von seiner digitalen Freundin stammt. Wegen seines Programmfehlers sieht er nicht nur die von ihm entworfenen Räume vor sich, sondern auch die Kopie seiner Freundin. Eine merkwürdige Vorstellung. Leon hyperventiliert. Was ein wenig tragisch aussieht, spielt sich in einer Filmkulisse in Poll ab. Dort drehen fünf Bachelorstudenten der ifs internationalen filmschule köln zurzeit ihren Abschlussfilm “Konstruktion”. Helena Lucas (Regie), Robert Schaefer (Producer), Björn Weber (Kamera), Marco Heibach (Schnitt) und Dimitri Makrinic (Visuelle Effekte) arbeiten dafür mit erfahrenen Filmemachern zusammen.

„Früher waren Studentenfilme verschrien. Die Profis sind von unserer Arbeit aber positiv überrascht“, sagt Robert Schaefer. Schließlich habe man die Arbeitsläufe schon mit kleineren Filmen während des Studiums geübt. Der Produzent ist sich in seiner Sache sicher. Er gibt auch zu: „Es gibt ein paar Dinge, da hapert es noch.“ Besonders für die Technik fehle den jungen Filmemachern das Geld. Für den 30-minütigen Film haben die Studenten nur zehn Drehtage. Das sei sehr knapp bemessen. „Wenn es regnet, können wir hier aufhören“, sagt Schaefer. Grund dafür ist der Lärm, den die Tropfen auf einem Glasdach am Drehort machen könnten. Eine vernünftige Tonqualität ist dann nicht mehr gewährleistet. Das Ergebnis der Dreharbeiten wird 2016 bei internationalen Filmfestivals gezeigt und ausgewertet. Dann werden die professionellen Schauspieler Jacob Matschenz, Luise Helm und Jürgen Rißmann auf der Leinwand zu sehen sein, die gestern am Drehort im Einsatz waren. Auf eine Szene können sich die Zuschauer besonders freuen, sagt Schaefer. Wenn Leon im Bett liegt, neben ihm sowohl  seine echte als auch seine digitale Freundin, werde es schon ganz schön schräg. Zurück zum Dreh. Die Szene “25A, 7, die 3” hat geklappt. Die Studenten umarmen sich vor Freude. Für sie ist dieses Gefühl noch nicht zur Routine geworden.

von Benedikt Alberternst