Kamerafrau Martina Di Lorenzo gewinnt beim Deutschen Kamerapreis

Mut zum Berufswechsel belohnt

Kölnische Rundschau, 14.07.2015

Kamerapreis2015_Nachwuchspreis_MartinaDiLorenzo_grossesBild
Foto: Fabian Klein

Eigentlich wollte Martina Di Lorenzo schon als Kind zum Film. Den Mut dazu fand die gebürtige Schweizerin allerdings erst, nachdem sie Lehrerin geworden war. Und der zahlte sich aus: Ihr Film „Alter Egon“ gewann beim Deutschen Kamerapreis.

Köln. Mit ihren schwarzen Haaren, den Piercings im Gesicht, lockerer Kleidung und selbstsicherem Auftreten wirkt Martina Di Lorenzo wie eine alternative Künstlerin. Ein bisschen ist sie es wahrscheinlich auch. Die 38-Jährige gewann im Juni beim Deutschen Kamerapreis: Für den Film „Alter Egon“, ihre Abschlussarbeit der Internationalen Filmschule, bekam sie den Nachwuchspreis verliehen.
„Wir wollen einen Film schauen, du sollst nicht immer reden“, bekam Di Lorenzo als Kind zu hören, wenn sie beim gemeinsamen Filmsehen wieder einmal nur von den Kameraaufnahmen schwärmte. „Ich wollte schon immer zum Fernsehen“, gesteht Di Lorenzo. Jedoch schlug die gebürtige Schweizerin nach ihrem Schulabschluss zunächst eine andere Richtung ein und wurde Lehrerin. Doch Film und Kamera reizten sie noch immer. „Ich war erst bei der Filmakademie in Berlin für einen Crash-Kurs, dann habe ich ein Praktikum in München bei der Set-Aufnahmeleitung von Bavaria gemacht. Doch ich habe immer wieder aufgegeben, und immer wieder unterrichtet.“, erzählt Di Lorenzo.
Vor vier Jahren hat sie dann die Zusage zur Internationalen Filmschule (ifs) in Köln bekommen. „Ich wäre überall hingegangen, aber in einige Programme kommt man ab 30 Jahren nicht mehr rein“, so die heute 38-Jährige.
„Arbeiten kann man immer, nur eine Bezahlung gibt es nicht oft“
Di Lorenzo wusste schon zu Studienbeginn, dass die Jobsuche später nicht leicht wird: „Es gibt Tausende, die besser sind. Und es wartet niemand auf einen.“ Doch seit ihrem Abschluss im letzten Jahr war sie schon als Kamerafrau beim Kölner Tatort dabei, und in den Vereinigten Staaten zum Dreh einer Dokumentation über Auswanderer. „Arbeiten kann man immer, nur eine Bezahlung gibt es nicht oft“, stellt sie trocken fest. Schwierig ist zudem, dass viele Arbeitsangebote von Online-Plattformen eigenes Equipment voraussetzen, das sehr kostspielig ist. Vom Preisgeld des Nachwuchspreises möchte sie sich demnächst ihre erste gute Kamera kaufen.

Wie es weitergeht, ist für Di Lorenzo eine gute Frage. „Entscheidend ist – wie bei so vielen Berufen – am richtigen Ort zur richtigen Stelle die richtigen Leute zu kennen“, erklärt sie. Ob sie jemals daran gedacht hat, aufzuhören? „Ja, manchmal. Doch ich bin glücklich und ich liebe Deutschland. Und ich habe meinen Traumberuf. Dafür ist man auch bereit, das ganze Leben lang hochdeutsch zu reden“ , lacht sie. Und trotz allen Unsicherheiten freut sie sich: „Ich habe es nie bereut, es ist Abenteuer pur!“

von Leona Schmitz