Kreativität mit Kamera und Kunstblut

Nach fast 15 Jahren im belgischen Viertel verlegte die ifs Internationale Filmschule Köln ihr Domizil in die Schanzenstraße 28. Zwischen Handwerkern und Umzugskarton begann jetzt das erste Sommersemester im neuen Kreativ-Viertel.

Kölner Stadt-Anzeiger, 27.04.2015

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Foto: ifs

Köln. An der Tür des Seminarraums hängt ein Schild. „Bitte alles so liegen lassen.“ In dem noch kahlen Raum, auf dem noch nicht verlegten Boden liegen Kleidungsstücke eines Tatorts. Ein Hemd ist blutgetränkt, Jacken und Hosen sind teils zerfetzt, eine Staubschicht liegt über allem. „Künstlicher Kragenschmutz, Kunstblut, Staub – alles Teil der Aufgabe. Die Studierenden müssen die Kleidung altern lassen, sie soll aussehen, als ob sie von einer Leiche getragen wurde“, erklärt Donna Hanisch, Leitung des Bereichs Kostümbild der ifs. Die halb fertigen Räume sind der passende Rahmen. Endlich Platz für über 5000 DVDs Es gibt noch einiges zu tun im neuen Schulgebäude in der Schanzenstraße 28. Im Flur wird noch an der Elektrik gearbeitet, zwischen den Studierenden, die am PC an den Abschlussarbeiten rund ums Thema Kostümbild sitzen, muss ein Gerüst aufgebaut werden. Und dennoch sind die Studierenden, Dozenten und die Verwaltung schon jetzt sehr glücklich über die jüngst bezogenen Räume. Die Mediathek ist einweiteres der positiven Beispiele: Endlich Platz für die gut 5000 DVDs, die den jungen Cineasten als Hintergrundwissen dienen, – und für die Filme, die noch hinzukommen werden. Das alte Fabrikgebäude, in dem vormals Büros untergebracht waren, bietet helle, hohe Räume. Zugleich wurde es auf die speziellen Anforderungen der Filmschule – unter anderem im Bereich Technik und Brandschutz – vorbereitet. Im Nachbarhaus Nummer 32 entsteht bis Herbst ein kinoähnlicher Vorführ- und Hörsaal. Insgesamt 110 Studierende zählt die ifs derzeit, die im Genre Film ihre Zukunft sehen. Neben Weiterbildungen werden im Zwei-Jahres-Rhythmus Studiengänge zugelassen. In Kooperation mit der Fachhochschule Köln bietet die ifs den Masterstudiengang „Serial Storytelling“, bei dem angehende TV-Serienmacher nach anglo-amerikanischem Vorbild Theorie und Praxis lernen, sowie den Bachelor Studiengang Film an. Dieser umfasst sechs Schwerpunkte: Drehbuch, Regie, Kreativ Produzieren, Kamera, Editing Bild und Ton sowie Digital Film Arts. Der neue Jahrgang des Bachelorstudiengangs sitzt gerade in der „Garage Produktion“, wie die interdisziplinären Workshops der ersten Wochen heißen, mit Professor Gerd Haag und dem Szenenbildner Uli Hanisch zusammen. Letzterer war unter anderem für „Das Parfum“ verantwortlich. Wie bekommt man ein Gefühl für einen Film, wie findet man den richtigen Ort, ist das Thema. „Muss man herum reisen, um den richtigen Drehort zu finden?“, will eine Studentin wissen. Hanisch erzählt von Scouts, die in acht Ländern unterwegs waren, um für „Das Parfum“ das richtige Ambiente zu finden. Einen Vormittag voller Diskussionen, Bilder von Kulissen, Zusammenfassungen von Recherchen. Die Zusammenarbeit von Produzent und Szenenbildner, aber auch wie viel Organisation, wie viel Vorarbeit in einem Film steckt, wird langsam greifbar. Ein paar Zimmer weiter grübelt Stian Dahlslett, der schon als Concept Artist bei Lucasfilm für Star Wars III tätig war, mit Sechstsemestern des Bereichs Visual Art und Animation vor großen Bildschirmen und kleinen Laptops. Passende Effekte für die Bachelorarbeiten werden begutachtet. „Sie müssen zur Story passen, sollen was eigenes sein, nicht kopiert wirken“, erklärt ein Student. Einen Gang weiter hören sich die Sechstsemester mit Studienschwerpunkt „Editing Bild und Ton“ konzentriert Musik an. Gemeinsam soll die Bild- und Tongestaltung eines abendfüllenden Spielfilms umgesetzt werden. „Das Problem beim Schnitt ist es, den Takt zu finden. Der Puls muss zur Inszenierung passen“, erklärt Professor Andre Bendocchi-Alves. Draußen wird weiter an der Elektrik gearbeitet. Ganz leise. Denn an der Tür hängt ein Schild. „Leise, bitte!“.

von Bianca Pohlmann