Lovecraft in Köln

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Still/The Colour

Die ifs internationale filmschule köln ist eine künstlerisch-wissenschaftlich ausgerichtete Aus- und Weiterbildungsinstitution für Medienschaffende. Auf Initiative der Landesregierung NRW und der Film- und Medienstiftung NRW wurde sie 2000 als gemeinnützige GmbH gegründet, deren alleiniger Gesellschafter die Film- und Medienstiftung ist. Ihr Ruf, eine der besten Filmschulen in Deutschland zu sein, basiert insbesondere auf der Betreuung der Studierenden, der Lehre und Projektarbeit und nicht zuletzt auf zahlreichen Auszeichnungen, zu denen auch ein Studenten-Oscar zählt. Ein Projekt, das wir toll fanden, ist „The Colour“, basierend auf einer Lovecraftschen Kurzgeschichte – und wir fragen bei den Studenten, wie sie darauf gekommen sind und wie es ist, an der ifs zu studieren.

DP: Als Vorlage für den Abschlussfilm dient eine Story von H.P. Lovecraft: Wie seid ihr aufs Thema gekommen?
Cem Karayakas (Regie): Meine Welt erschien mir in einer Phase surreal und meine Probleme abstrakt. Zufällig zu der Zeit las ich mich in die Literatur Lovecrafts ein und da hatte die Geschichte „Die Farbe aus dem All” einen sehr starken Effekt auf mich. Es geht um ein plötzliches Ereignis, welches zu abstrakt ist, um es zu verstehen. Nach und nach verändert es die Welt des Protagonisten und seiner Familie. Mit der Zeit vergiftet es die Felder und treibt subtil die Familie den Wahnsinn.
Maria Hartig (Editor & Sound Design): Cem hatte einmal eine Filmidee gepitcht, in der es um einen alten Mann an einem Schreibtisch ging, der durch Gegenstände auf seinem Schreibtisch alte Erinnerungen durchlebt. Was uns an Lovecraft besonders faszinierte, waren der Bodyhorror und das Grauen, das man als Mensch nicht verstehen kann. Cem schlug vor, dass wir uns für diese Filmidee an „Die Farbe aus dem All“ orientierten. Ich habe mir diese Geschichte durchgelesen und mir hat sie auf Anhieb sehr gefallen. Ich hatte vorher nie etwas von Lovecraft gelesen und war fasziniert. Als Fan von Horrorfilmen hat mich diese Geschichte mehr gepackt, als die gängige Form von Gore oder Dämonen – Geister-Stories, wie man sie heute fast täglich im Genre-Kino zu sehen bekommt.

 

DP: Die Bildgestaltung ist eine Mischung aus 3D-Look und Stop Motion – wie habt ihr den Film produziert?
Cem Karayakas: Für das Zusammenspiel zwischen dem 3D-, Kamera- und Szenenbild-Department haben wir das Set zuerst in Originalgröße in 3D gebaut – basierend auf einer Grundrisszeichnung vom Szenenbildner. Diesen haben wir dann im Zusammenhang mit Story und Einstellungen in Maya angepasst, einen neuen Grundriss erstellt und den real gebaut. Während des Drehs haben wir vom echten Set eine Photogrammetrie erstellt. Die war wichtig und nützlich für jeden Arbeitsschritt in 3D – um eine Orientierung zu haben, um 3D-Kameras zu erstellen, die auf das Footage passen, und natürlich für das 3D-Tracking, für die Lichter und um die HDRIs im Raum orientieren zu können. Das Set war zwar in der echten Welt abgebaut, wir haben jedoch digital darin weitergearbeitet und es nie in der Produktion verlassen.
Manuel Zilleken (Produzent): Wir haben von Anfang an geplant, das Set in Miniatur zu bauen. Dazu haben wir mit Jan Zinn aus dem neuen Jahrgang Szenenbild ein Konzept entwickelt und uns auf einen Maßstab festgelegt. Während Jan und sein Team neben ihrem Studium das Set gebaut haben, sind wir zusammen mit Freunden in die Produktion der Ausstattung gegangen. Nebenbei liefen die Arbeit am Drehbuch und der kreative Austausch mit unseren Professoren, die uns in dieser Phase sehr unterstützt haben. Während des Drehs haben wir mit einem sehr kleinen Team gedreht; es waren meistens nur 7 Leute am Set, das wir in einem verdunkelbaren Seminarraum der ifs aufgebaut hatten.
Christian Godau (Kamera): Gedreht haben wir in 4K Raw mit der Canon C300 Mark ii und externem Rekorder. Zeiss Ultraprimes und Makrodiopter hatten wir auch dabei. Das Set und alle Requisiten waren komplett gebaut oder 3D-gedruckt. Die Wände konnte man einzeln herausnehmen, damit wir aus allen Richtungen drehen konnten. Unser Lichtequipment reichte von Mini-LED aus dem Dekobereich bis zu professionellen LED-Panels und kleinen Arri-Einheiten.

DP: Und welche Teile waren in 3D?
Nils Nissing (CG-Supervisor): Das war eine hybride Mischung in sich selbst, wir haben z.B. Modelle wie den Hammer, mit dem unser Digi-Double auf den Meteorit einschlägt, zuerst gemodelt und 3D-gedruckt, die Texturen etc. haben wir grob vorgegeben und dann klassisch angepinselt. Später dann die Texturen in 3D aktualisiert, damit es wieder zusammenpasst. Den Hammer gab es auch als Lichtreferenz. Das Set wurde photogrammetriert und dann auch in mehreren Shots komplett getauscht. Der Blick aus dem Fenster ist ebenfalls komplett CG.

DP: Wie lange war die Storyboard- und Entwicklungsphase?
Cem Karayakas: Insgesamt ging sie von Mai 2017 bis Januar 2018. Wichtig war es, offen zu sein für neue Ideen. Auch wenn wir schon sehr früh wussten, wie unser Film inhaltlich aufgebaut ist, war es eine Herausforderung, herauszufinden, wie unsere Motive funktionieren und wie wir sie visuell umsetzen. Deshalb gibt es etliche Storyboard-, 3D-Layout- und Testaufnahmen in denen wir Ideen verworfen, umgewandelt und iteriert haben. Wir haben damit mehr als ein halbes Jahr verbracht, um möglichst bereit zu sein für die Dreharbeiten. Ich finde, je besser du weißt, wie dein Film funktioniert, desto besser bist du auch in der Lage, Experimente beim Dreh zu wagen und kannst offen sein für frische, neue Ideen, die man nur in diesem Moment bekommt.
Maria Hartig: Während wir das Drehbuch entwickelten, habe ich dazu passend ein einfaches Storyboard gezeichnet. Dieses konnten wir dann gemäß des Drehbuchs zusammenschneiden und beurteilen, ob die Geschichte nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern auch als Film.
Jelena Lützel (Drehbuch): Für das Drehbuch brauchten wir ungefähr 6 Monate, wenn ich mich richtig erinnere. Ich weiß noch, wie Cem und ich im Sommer 2017 an den ersten Entwürfen saßen. Aber eigentlich ist so ein Drehbuch nie ganz fertig, deshalb kann ich das so genau gar nicht sagen. An dem Voice-over zum Beispiel haben Maria und ich viel später gesessen, als sie schon längst im Schnitt war. Da hat sich also immer noch was an der Story weiterentwickelt, eigentlich fast bis zum Ende.

DP: Wie sah eure Softwarepipline aus für „The Colour“?
Cem Karayakas: Wir hatten eine längere Vorproduktion, in der wir vor dem Dreh schon herausfinden konnten, wie wir die Produktion gestalten müssen. Im 3D-Department waren wir zu zweit und wussten, dass wir um die 40 Shots haben würden. So mussten wir möglichst effizient sein bezüglich der Produktion der 3D-Renderings. In Nuke wurden die Kameras erstellt. Rigging, Animation und Lighting fanden in Maya statt. Gerendert wurde in Arnold über die Renderfarm-Software Royal Render. Wichtig für die 3D-Intergration in die Plate war, dass wir die Lichter in getrennten Render Passes hatten, denn wir hatten einiges an Lichteffekten gedreht, zu denen dann bestimmte Lichter animiert werden mussten. Das ging am bequemsten in Nuke.
Nils Nissing: In unserer Pipeline hatten wir folgende Programme: Maya, ZBrush, Mari, Nuke, After Effects, Photoshop, Reality Capture, Royal Render, Topogun.
Maria Hartig: Was den Austausch von Schnitt und Animation angeht, lief es folgendermaßen ab: Zuerst habe ich den Film mit dem Drehmaterial in Avid geschnitten. Dabei habe ich auf zwei Ebenen gearbeitet. Auf der einen Ebene hatte ich das Material komplett roh, ohne das beim Dreh verwendete Stand-in. Auf der anderen Ebene habe ich den Film mithilfe des Stand-ins geschnitten, damit auch ich überhaupt einen Überblick über den Inhalt und den Protagonisten des Films hatte. Danach habe ich eine AAF-Datei der kompletten Timeline an das 3D-Department weitergegeben. Zum Prüfen des Conformings wurde auch ein Referenz-Clip des Films ausgespielt. Neue Blockings oder Animationen habe ich dann als MXF-Datei wieder in Avid einfügen und an ihre vorgesehene Stelle platzieren können. Damit haben wir Schritt für Schritt den Film mit Animationen gefüllt. Diese Art des Austausches blieb bis zur Fertigstellung des Bildes bestehen. Etwas anders gestaltete sich das Auswechseln der Bilder, als wir im Sound Design angekommen waren, da ich parallel zur Animation schon angefangen habe, den Film zu vertonen. An diesem Zeitpunkt ging es von Nuke zum Bildaustausch in Avid und von da aus zur Anpassung der Sound Design Time­line nach Pro Tools. Dabei war es wichtig darauf zu achten, dass die Töne nicht asynchron zum Bild werden, denn die Länge des Films und insbesondere auch die Länge der einzelnen Schnitte veränderte sich stetig.

DP: Welche Helfer-Tools und Plug-ins kamen zum Einsatz?
Cem Karayakas: Bei der Animation half mir am Anfang das Maya-Plug-in aTools, was dann ersetzt wurde durch Animbot. Ansonsten hatten wir nur einen Charakter und zwei Assets, mit denen interagiert wird. Ich hatte einige kleine Skripte geschrieben, die uns sich wiederholende Arbeitsschritte abnahmen.
Nils Nissing: Das Mari-Plug-in Set 4 und Super Sculpey.

DP: Und als Pipeline-Tool habt ihr was verwendet?
Cem Karayakas: Shotgun, theoretisch. Eigentlich war ich unser Pipeline-Tool, weil ich Regisseur, TD und Animator war und auch das Conforming gemacht habe. Wir hatten eine enge Kommunikation, da wir in einem Raum gearbeitet haben und auch der Schnittraum eine Tür weiter war. Ich habe mich aber immer an Shotgun orientiert, alles aber in Things 3 gemanagt. Wir hatten eine gute Benennung, und die Anzahl der Assets konnte man auch an einer Hand abzählen.

DP: Mit dem Real-Dreh standen natürlich Environments zur Verfügung. Inwieweit habt ihr diese digital anpassen müssen?
Cem Karayakas: Ziel war es, möglichst wenig an dem gedrehten Material digital anzupassen. Wir hatten drei Aufgaben, bei denen wir wussten, dass eine Bearbeitung wichtig ist: Einmal war es das Erstellen von Masken, damit der Charakter auch hinter Objekten stehen konnte. Dann gibt es noch einen Blick aus dem Fenster, in dem er auf eine Landschaft guckt. Die größte Aufgabe war jedoch der Meteorit. In sein Inneres sollte ein Universum gecompt werden, was so nicht zu filmen war. Ansonsten haben wir alles ansehnlich gebaut und gefilmt. Dadurch konnte man sich gut auf die anderen Aufgaben konzentrieren.
Nils Nissing: Es kamen ein paar Lichter mehr hinzu, somit mussten wir schon an manchen Stellen auf die Photogrammetrie des Sets zurückgreifen. Projektionen, die zuvor in Camera waren, mussten teilweise neu projiziert werden.

DP: Wenn ihr von vorne anfangen würdet, was würdet ihr anders machen?
Manuel Zilleken: Ich glaube es gibt gerade beim Film kein perfektes Projekt man lernt immer wieder Neues und muss sich genauso immer wieder neu anpassen. Durch die Zusammenarbeit im 4. Semester konnten wir schon einiges an Erfahrungen sammeln und diese in das Projekt einfließen lassen. Ich schätze, beim nächsten Mal wird es uns leichter fallen, den Zeitaufwand der einzelnen Schritte einschätzen zu können und so vielleicht etwas mehr Freiraum für andere Aspekte zu bekommen, die in der Prio nicht ganz oben stehen.
Christian Godau: Das Kamera-Setup war schon einigermaßen kompakt und hat gut funktioniert, aber beim nächsten Mal würde ich wahrscheinlich auf ein noch kleineres und leichteres Setup zurückgreifen, um noch mehr Freiheit in der Wahl der Perspektiven zu haben.
Jelena Lützel: Von meiner Seite gar nicht viel, ehrlich gesagt. Manu, Cem, Nils und ich haben davor schon zusammen an einem Animationsfilm gearbeitet und da so ziemlich alle Fehler gemacht, die wir machen konnten. Und dann tatsächlich auch was draus gelernt. Deshalb lief die Stoffentwicklung für „The Colour“ meist reibungslos. Cem, Maria und ich haben sehr eng zusammengearbeitet in der Entwicklungsphase. Natürlich haben wir einige Anläufe gebraucht, bis wir unsere Geschichte gefunden hatten, aber das gehört ja einfach dazu.

DP: Wird die Zusammenarbeit der verschiedenen Semester / Studiengänge gefördert und wenn ja, wie?
Cem Karayakas: In den ersten drei Semestern gibt es die Semesterfilme, in denen Kooperation zwischen allen Studiengängen gefördert wird. Doch ab dem vierten Semester ist die Gestaltung den Studenten überlassen. Es gibt Projekte, in denen jemand sich nur einen Editor sucht und mit ihr oder ihm den Film gestaltet, und es gibt Projekte wie unseres, in dem wir von Anfang an mit allen möglichen Bereichen zusammenarbeiten wollten und auch konnten.
Manuel Zilleken: Während die Zusammenarbeit innerhalb des Jahrgangs sehr gut funktioniert hat, war es schwierig, die anderen Jahrgänge intensiv mit einzubeziehen, da diese oft andere Projekte oder Aufgaben für die Uni hatten. Man versucht aber natürlich trotzdem immer mal wieder nach oben oder unten zu helfen, da Filmproduktionen nur durch Teamwork und Verlässlichkeit funktionieren können. Von daher war es auch vom ersten Semester an ein Bestandteil des Studiums, immer wieder einen Einblick in anderen Gewerke zu erhalten und zusammen Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Neben den Projekten gab es dann häufig auch Seminare, die wir zusammen mit anderen Fachschwerpunkten hatten, und so bestand immer ein Kontakt zu den restlichen Studenten.
Nils Nissing: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Semester wird nicht wirklich gefördert. In den Drehphasen des höheren Semesters hat der jüngere Studiengang meistens Pflichtveranstaltungen. Die Zusammenarbeit der Studiengänge hingegen wurde von Anfang an unterstützt mit verschiedensten Projekten.
Maria Hartig: Da in jedem Semester ein großes Semesterprojekt im Vordergrund steht, funktioniert es fast von selbst, dass sich die Studenten der verschiedenen Schwerpunkte zusammenfinden. Teamarbeit wird bei uns an der Uni großgeschrieben und ist auch Voraussetzung für ein funktionierendes Projekt.
Jelena Lützel: Ja und nein. Als Autor war es manchmal schwer sich einzufinden, da wir selten einen gemeinsamen Stundenplan oder übergreifende Projekte mit den anderen Studierenden hatten. Die gemeinsamen Projekte wurden dann aber schon unterstützt. Man muss eben dafür kämpfen. Aber damit bereitet man sich ja auch auf das Berufsleben vor. Da kriegt man schließlich auch nichts geschenkt.

DP: Was steht an Hardware und Software theoretisch zur Verfügung, und wie komplex ist der Zugriff darauf?
Cem Karayakas: Für VFX & Animation war es so, dass wir unsere eigenen Arbeitsplätze hatten. Wir konnten es uns in unserem Raum gemütlich machen, ihn so gestalten, wie wir ihn haben wollten, und immer wieder am selben Rechner arbeiten, ohne dass jemand anderes da was dran gemacht hat. Für die Produktion des Films hatten wir genug Renderfarm-Kapazitäten, jede Software, die wir brauchten, war da oder wurde angeschafft, und unsere Rechner waren stark genug. Jeder Student hat Zugriff auf alle Ressourcen, auch wenn man sich mal bezüglich Renderfarm-Priorität absprechen muss.
Nils Nissing: Wenn man projektorientiert arbeitet, lässt sich schnell eine Lizenz beschaffen. Soll die für alle sein, wird erst einmal angefragt – ist der Preis zu hoch, wird das natürlich schwierig.
Maria Hartig: Wir Editoren haben das Glück, jeweils einen eigenen Schneideraum in der Uni zur Verfügung zu haben. Jeder dieser Schneideräume ist mit iMacs und zwei zusätzlichen Bildschirmen ausgestattet. Wir arbeiten mit Avid Media Composer, Pro Tools und DaVinci Resolve. Adobe Premiere aber auch Adobe After Effects stehen uns ebenso zur Verfügung. Für die finale 5.1-Tonmischung geht es ins hauseigene Kino.

DP: Gibt es externe Partner?
Manuel Zilleken: Gerade in vielen Teilen der Produktion wird mit externen Partnern gearbeitet. Sei es die Versicherung oder eine Rechtsberatung. Während des Drehs liegt es häufig an den Studierenden, sich weitere Partner für Technik, Catering oder Requisiten mit ins Boot zu holen. Dabei ist man natürlich gerade bei Low-Budget-Projekten immer ein bisschen auf den guten Willen der Firmen angewiesen.

DP: Ein Wort zu den Dozenten und Professoren: Wie gestaltet sich hier die Teamarbeit?
Cem Karayakas: Wir wurden von vier Professoren begleitet. Zu jeder Frage hatten wir einen Ansprechpartner, egal ob es um Story, Szenenbild, Animation, VFX, Schnitt oder Sound Design geht. Wir hatten immer ein kritisches Auge von den Professoren darauf und konnten uns immer an sie wenden.
Manuel Zilleken: Generell sucht sich jedes Team betreuende Professoren für sein Projekt aus. Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch andere Professoren Feedback geben und zu neuen Ideen anstoßen. Unsere Hauptansprechpartner für „The Colour“ waren dabei Prof. Gerd Haag (Produktion), Prof. André Bendocchi-Alves (Editing Bild & Ton), Prof. Rolf Mütze (VFX) und Donna Hanisch (VFX). Und wie das im kreativen Bereich nun mal so ist, kommt es dabei häufig zu unterschiedlichen Meinungen. Dabei ist es wichtig, auf der einen Seite dem erfahrenen Urteil der Profs und Dozenten zu vertrauen, ohne dabei den eigenen Standpunkt als Filmemacher zu verlieren. Diese Fähigkeit zu entwickeln, war bei uns Produzenten ein sehr zentraler Bestandteil des Studiums.
Nils Nissing: Als Donna Hanisch die Leitung im Bereich Digital Film Arts übernahm, änderte sich einiges. Man wurde gefragt, welche Unterrichtseinheiten interessant sind, und dann wurde in der Gruppe über die sinnvollsten abgestimmt. So hatten wir die Möglichkeit, die Semesterinhalte selbst mitzubestimmen.
Maria Hartig: Ich bin sehr dankbar, wie viel Zeit sich die Professoren für unser Projekt genommen haben. Wir haben uns nicht selten zu Drehbuchbesprechungen oder Schnittsichtungen zusammengefunden. Es gab regelmäßige Treffen für unseren Abschlussfilm, bei denen viel diskutiert, aber auch hilfreiches Feedback gegeben wurde. Jedes dieser Treffen hat uns noch mal ein Stück weiter in unserem dramaturgischen Denken gebracht und uns sehr für die Weiterentwicklung des Filmes geholfen.
Jelena Lützel: Da haben wir nicht so viel von mitbekommen.

DP: Was sind die Herausforderungen bei eurem Studiengang gewesen?
Cem Karayakas: Man kommt an die ifs und hat die Möglichkeit, alles zu lernen, was VFX & Animation betrifft. Nur ist die Auswahl an Möglichkeiten zu gigantisch. Da entsteht die Herausforderung, etwas zu finden, das einem zusagt. Für mich war es das Animieren und der Animationsfilm. Natürlich ist man auch gierig, andere Bereiche zu lernen. Irgendwann bekommt man es hin, die Tools zu lernen und sein Repertoire zu erweitern, ohne seinen Fokus auf das, was einen am meisten interessiert, zu verlieren.
Manuel Zilleken: Wie vorhin schon angesprochen, lag der Fokus bei uns Produzenten unter Gerd Haag darin eine produzentische Persönlichkeit zu entwickeln. Die Herausforderung liegt darin, auf der einen Seite die Organisation und Finanzierung eines Projekts zu leiten und gleichzeitig kreativ mit in den Prozess der Entwicklung einzuwirken und seine Ideen und Vorstellungen mit einzubringen. Das beides unter einen Hut zu bekommen, war anstrengend, vor allem weil ich mich dazu entschieden habe, neben „The Colour“ noch einen weiteren Abschlussfilm zu produzieren. Aber rückblickend würde ich sagen, dass es mich auch in meinen Fähigkeiten gestärkt und mich als Mensch weitergebracht hat.
Nils Nissing: Sein eigenes Zeitmanagement zu verbessern, Deadlines einzuhalten. Kommunikation zu lernen.
Jelena Lützel: Drehbuchschreiben kann einsam sein, muss es aber nicht. Sucht euch Co-Autoren! Nein wirklich, es gibt viele Herausforderungen, die man meistern muss: seine eigene Handschrift zu finden und die erste Krise zu überstehen, und dann die zweite und die dritte. Das gilt, glaube ich, für alle Bereiche. Aber am wichtigsten ist es, Menschen zu finden, mit denen man zusammenarbeiten kann.

DP: Wie gefiel euch das Studentenleben in Köln?
Manuel Zilleken: Als Filmstudent habe ich wahrscheinlich nicht so viel vom typischen Studentenleben in Köln mitbekommen wie andere Studenten. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir im ersten Semester viele Abende am Rhein verbracht haben, das ist mit der Zeit leider immer weniger geworden. Stattdessen habe ich viele Abende mit meinen Kommilitonen und auch Freunden am Set verbracht und das eine oder andere Drehschlussbier getrunken. Insgesamt war es aber schon so, dass ich Köln als sehr offenherzige und tolerante Stadt kennengelernt habe und jetzt auch nach dem Studium zunächst weiter hier lebe und arbeite.
Nils Nissing: Also mit den Bahnfahrten hatte ich so meine Schwierigkeiten.
Jelena Lützel: Köln ist toll. Vor allem auch Mülheim, wo die ifs ja mit uns hingezogen ist, habe ich sehr lieben gelernt. Gerade im Sommer mit dem Rhein ganz in der Nähe ist es wunderschön. Und an der ifs ist auch immer was los. Da kommt man schon auf seine Kosten als Student.

DP: Würdet ihr noch mal euren Studiengang belegen, oder eher etwas anderes aus dem ifs-Studienangebot?
Cem Karayakas: Ob ich den Studiengang noch mal belegen würde? Klar! Ich habe hier den Beruf kennengelernt, den ich auch die nächsten Jahrzehnte ausüben will: Animator. Ich bin dankbar über jede Bekanntschaft mit Studenten und Professoren.
Manuel Zilleken: Ich bin mit meinem Studium generell sehr zufrieden. Aber mich würde die kreative Seite des Schreibens und Entwickelns sehr interessieren, weshalb ich mir vorstellen könnte, auch die Studiengänge Regie und Drehbuch auszuprobieren.
Nils Nissing: Nein, ich würde genau dasselbe studieren.
Maria Hartig: Das Studium an der ifs hat mir Spaß gemacht. Aus rein handwerklicher Neugier würden mich die Schwerpunkte VFX und Animation und Szenenbild ebenso interessieren.
Jelena Lützel: Auch wenn ich mir oft gewünscht hätte, mehr am Set dabei sein zu können und mehr über die anderen Fachbereiche zu lernen, war Drehbuch die richtige Entscheidung für mich und ich würde sie auf jeden Fall immer wieder treffen.

DP: Und was macht ihr als nächstes?
Cem Karayakas: Wir hoffen, dass unser Film auf einem Festival läuft, und ansonsten bewerbe ich mich als Animator für Jobs. Ich würde mich natürlich über die Gelegenheit freuen, wenn ich wieder bei einem Animationsfilm Regie führen dürfte. Aber in erster Linie suche ich nach der Erfahrung, in größeren Teams als Animator zu arbeiten.
Manuel Zilleken: Ich arbeite zurzeit mit einem Produktions-Kommilitonen in seiner noch sehr frischen Firma TWENTYTWO Film in Köln-Bickendorf. Nebenbei bin ich natürlich auch dabei, meine beiden Abschlussfilme raus in die Welt zu schicken, und hoffe, dass wir auf dem ein oder anderen spannenden Festival laufen werden. Im besten Fall steht dann auch bald schon der nächste Animationsfilm an.
Maria Hartig: Bezüglich Festivals bin ich sehr gespannt, auf welche Reise uns „The Colour“ noch mitnehmen wird. Bis es so weit ist, heißt es für mich natürlich: Fuß in der Branche fassen. Ich hoffe, dass es in Zukunft mehr Firmen geben wird, die sich auf die Produktion von Feature-Animationsfilmen konzentrieren und auf enge Zusammenarbeit mit Editoren bauen.
Jelena Lützel: Ich mache gerade meinen Master an der Kingston School of Art in London. Dort studiere ich Filmmaking, kann mich also ausprobieren am Set und in der Postproduktion. Ich werde aber trotzdem Drehbuchautorin bleiben. Als nächstes werde ich im Sommer meinen Abschlussfilm drehen, an dem ich vorwiegend als Autorin und Regisseurin arbeite.