Mit der Laika-Kapsel in den Film-Himmel

Zwei Kölner Drehbuchautoren wollen deutsches Kino wieder konkurrenzfähig machen.

Kölner Stadt-Anzeiger, 16.06.2015

Fotot: Heike Herbertz / Film- und Medienstiftung NRW
Foto: Heike Herbertz / Film- und Medienstiftung NRW

Deutsche Filme und Serien sind international nur selten konkurrenzfähig. Ein Grund dafür, vermutet Dennis Todorovic, sind schluderig geschriebene Drehbücher und unglaubwürdige Erzählstrukturen: “Man erkennt ein schlechtes Buch schnell daran, dass die Figuren plötzlich etwas machen, was sie nie im Leben tun würden”, weiß der Kölner Regisseur. Zusammen mit seinem Freund Christoph Mathieu, will er es jetzt besser machen: Die beiden Absolventen der ifs internationale filmschule köln wurden gerade für das Wim-Wenders-Stipendium erwählt und arbeiten derzeit am Stoff für ihren ersten gemeinsamen Science-Fiction-Spielfilm “Die Laika-Kapsel”.
Der Inhalt: Mehrere Astronauten befinden sich in einer Raumsonde auf der Reise zu einem fremden Planeten. Plötzlich löst sich einer von ihnen in seine molekularen Bestandteile auf. Der Vorfall bringt das bisher harmonische Gleichgewicht unter den Crewmitgliedern ins Wanken. Sie vermuten, dass ihr Kollege ein künstlich erschaffener Mensch war. “Es ist ein philosophisch sehr spannender Stoff. Am Ende ist nichts mehr, wie es scheint”, verspricht Co-Drehbuchautor Mathieu, der schon als Kind viel Science-Fiction gelesen hat.
Gedreht werden soll der kammerspielartige Film mit seinem klaustrophobischen Setting komplett in 3-D. Mit dieser Idee konnten die beiden auch die Film- und Medienstiftung NRW sowie die Wim-Wenders-Stiftung überzeugen – und dabei 40 Mitbewerber ausstechen. 40.000 Euro stehen Todorovic und Mathieu nun zur Verfügung, um das Drehbuch zu vollenden und einen ersten Trailer zu produzieren. “Es wird sich dabei im Prinzip um einen drei bis vier Minuten langen Ausschnitt handeln, mit dem wir dann bei Investoren, Sendern und Förderinstitutionen um die Finanzierung des gesamten Films werben können”, erklärt Todorovic, dessen Eltern aus Tschechien und Montenegro nach Köln kamen. “Das Vertrauen in junge Filmemacher”, das weiß der 37-jährige bereits aus früherer Erfahrung, “ist viel eher gegeben, wenn sie bereits etwas Visuelles vorlegen können.”
Dass sie mit ihrer Bewerbung den mehrfach Oscar-nominierten Wim Wenders (“Pina”, “Buena Vista Social Club”) persönlich überzeugen konnten, freut vor allem Christoph Mathieu: “Wim Wenders ist einer der wenigen anspruchsvollen Regisseure, die das 3-D-Kino nicht dem Blockbuster überlassen.” Todorovic ergänzt: “Seitdem er Kino macht, hat er in seinen Filmen die technischen Möglichkeiten, die die Weiterentwicklung der Medien zulassen, genutzt.”

Das Wim-Wenders-Stipendium, benannt nach dem gleichnamigen deutschen Regisseur, wurde 2015 zum zweiten Mal vergeben. Vier Projekte wurden mit insgesamt 100.000 Euro ausgezeichnet. Junge Filmschaffende sollen damit unterstützt werden, um ihre Filmideen mit neuen Mitteln zu erzählen und die deutsche Kino- und TV-Landschaft zu bereichern.

von Martin Boldt