Preisgeld beiseitegelegt

An den Moment, in dem ihr Moderator Klaas Heufer-Umlauf am Abend des 2. Oktober 2014 den Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises und einen Koffer mit 15 000 Euro überreichte, kann sich Sinje Irslinger kaum erinnern.

Kölner Stadt-Anzeiger, 17.03.2015

Still: »Guck woanders hin«
Still: »Guck woanders hin«

„Ich weiß auch gar nicht mehr, was ich da auf der Bühne gestammelt habe“, sagt die Kölnerin, „ich weiß nur noch, dass ich mich gefragt habe, wie ich auf diesen verdammt hohen Schuhen die Treppe rauf kommen soll.“ Ihre Rolle in dem ARD-Drama „Es ist alles in Ordnung“ brachte der damals 17-jährigen Schülerin die prominente Auszeichnung ein. Darin spielte Irslinger die 13-jährige Sarah, die von ihrem Stiefvater (Martin Waschke) geschlagen wird.

Erschrocken habe sie sich über den Preis, erzählt die heute 18-Jährige beim Interview im „Geschnitten Brot“ an der Alteburger Straße. Sie trinkt einen Cappucino, den Schal lässt sie an – „ich bin etwas erkältet“. Irslinger wurde im Klösterchen geboren, noch heute wohnt sie mit ihrer Familie in der Südstadt. „Eigentlich dachte ich, ich sei nur dort, weil meine Filmeltern Silke Bodenbender und Martin Waschke für einen Preis nominiert waren.“ Irslinger gerät ins Plaudern, die anfängliche Schüchternheit ist verflogen. Über ihren guten Sitzplatz habe sie sich schon ein bisschen gewundert, erzählt sie. „Irgendwo neben mir saß Lena Meyer-Landrut und hinter mir der Rapper Kay One.“ Das Preisgeld hat Irslinger „beiseitegelegt“, sagt sie. Vielleicht würde sie damit den ein oder anderen Schauspiel-Workshop finanzieren. Denn eine Schauspielausbildung hat Sinje Irslinger bislang nicht, durch Zufall sei sie entdeckt worden, erzählt sie.

Während der Premiere des Jugendtheaterprojekts „You may say I’m a dreamer“ im Comedia Theater hatte eine Agentin im Publikum gesessen. „Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen, mich bei einer Agentur vorzustellen“, sagt Irslinger. Schnell folgte eine Rolle in dem ifs-Kurzfilm „Guck woanders hin“ und in dem Fernsehfilm „Das Alter der Erde“, an Ostern wird Irslinger als Charlie in der 13-teiligen Jugendserie „Armans Geheimnis“ zu sehen sein. Es ist die zweite TV-Hauptrolle für die Abiturientin, die ihren Abschluss im letzten Jahr an der Kaiserin-Augusta-Schule gemacht hat. Die viermonatigen Dreharbeiten im letzten Sommer seien schön, aber kräftezehrend gewesen, erzählt sie. „In den ersten Wochen habe ich mich nach Drehschluss noch mit Freunden im Park getroffen, gegen Ende habe ich mich lieber mit einer Tasse Tee aufs Sofa gesetzt.“

Deswegen genießt Irslinger ihre momentane Freizeit umso mehr – ein neues Projekt steht noch nicht an. Zeit, die sie nutzen will, um sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen. „Ich weiß noch nicht, was ich jetzt machen will“, sagt sie. „Ich bin durch Zufall zur Schauspielerei gekommen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich ein zweites Standbein brauche.“