Wenn im Hürth-Park das Filmblut fließt

Studierende der Filmschule Köln drehten im Einkaufszentrum Szenen für ihre Abschlussarbeit

Kölner Stadt-Anzeiger, Donnerstag 12.04.2018

Regisseurin und Drehbuchautorin Naomi Kantor (l.) mit ihren ProtagonistenAbdel undMaiki während der Dreharbeiten im Hürth Park. Foto: Petrasch-Brucher

Hürth. Maiki sucht im Hürth-Park nach einer Badekappe. Nicht Ungewöhnliches? Doch, wenn sie dabei von Kamerateam, Regisseurin, Produzent, Editor und Maskenbildnerin umringt wird, schon. 20 Leute kommen am Set schon mal zusammen, und manch ein Besucher des Hürth-Parks vergisst bei diesem Anblick, die eigenen Einkäufe. Das Einkaufzentrum dient zwei Tage lang als Filmkulisse für einen total vermasselten Tag im Leben von Maiki, einer jungen Israelin, die gerade zu ihrem Freund nach Deutschland gezogen ist. „Es war schön“ ist der Titel des Film, Naomi Kantor führt Regie und hat das Drehbuch geschrieben. Für die 30-Jährige hat der Film biografische Züge. Es ist ihr Abschlussprojekt im Masterstudiengang Digital Narratives der Internationalen Filmschule Köln (ifs). Es handelt sich um eine Co-Produktion, denn auch für Marius Kimmel (Produktion) und Antonia-Marleen Klein (Editing) ist der 20 Minuten lange Film ein Abschlussprojekt, für die beiden im Bachelorstudiengang Film.  Alle sind mächtig aufgeregt. Der Zeitplan hat nicht hin, denn immer läuft jemand beim Dreh durch das Bild. „Wir haben versprochen, die Besucher im Hürth Park nicht unnötig zu stören“, sagt Marius Kimmel.

Gerade sitzt Maiki neben einem jungen Mann mit blutiger Nase inmitten der Geschäfte. „Sie hat ihm auf die Nase geschlagen, sie fühlte sich von dem jungen Araber verfolgt“, erläutert Naomi Kantor diese Szene ihres Drehbuchs. Maiki fühlt sich nicht wohl in Deutschland, versteht die Sprache nicht. Ihr Mann hat ihr geraten, sich einen schönen Tag  zu machen und ins Schwimmbad zu gehen. Doch Maiki hat keine Badekappe und alles läuft schief.“ Geht es in dem Film um Integration? „Nein, eigentlich ist es eine poetische Komödie.“, sagt Marius Kimmel. Gedreht wurde auch in Köln, im Genovevabad und auch im Maritim-Hotel. „Dort hat man uns mit offenen Armen empfangen und sogar einen Flur für uns gesperrt.“, schwärmen die Film-Studierenden. Aber auch in Hürth läuft es gut. Make-up-Artistin Carla Bellgradt hat Abdel mit Filmblut versorgt, bevor ihm Maiki (gespielt von Yael Igra) auf die Nase haut. Carla Bellgradt ist regelmäßig für den Max-Ophüls-Preis tätig, ein Nachwuchsfilm-Festival in Saarbrücken. Marisu Kimmel hat 2017 mit anderen Studierenden einen Publikumspreis beim Kurzfilm-Festival Köln gewonnen. „Aber ob das jetzt hier mit dem Bachelor oder Master klappt, ist gar nicht das Wichtigste für uns.“, sagen Marius und Naomi. „Hauptsache, wir sind mit dem Ergebnis unseres Filmes zufrieden.“

Von Elke Petrasch-Brucher