Zehn Jahre Eigenverantwortung

10. Empfang der Filmhochschulen auf der Berlinale
 

Film & TV Kameramann, 17.03.2017 | 4. Ausgabe

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Zum zehnten Mal fand während der Berlinale der Empfang der Filmhochschulen statt. Was anfangs nicht leicht zu etablieren war, ist heute eine feste Institution während des Festivals. © Verbund der deutschen Filmhochschulen e.V.

Nein, es waren nicht die Filmhochschulen, die unbedingt einen Empfang auf der Berlinale wollten. Es waren zwei Studentinnen der damals noch als HFF Konrad Wolf bekannten Filmuni Potsdam Babelsberg. Das damalige wie heutige Ziel: Die Abgrenzungshaltung beenden und Schulen sowie Studenten zu Kooperationen und Netzwerken bewegen. Hat geklappt.

Mittlerweile sind es die sieben Filmschulen DFFB, HFF München, Filmakademie Baden-Württemberg, ifs Köln, KHM, HMS sowie die Wiege des Empfangs, die Filmuni Potsdam. Dauergast ist der hessische Verbund hFMA, und in 2017 stießen als Gäste die Züricher hochschule der Künste sowie die Filmakademie Wien hinzu.

Die sieben deutschen Schulen bilden seit 2008 de organisierenden Verbund deutscher Filmhochschulstudenten e.V., der auch als Interessenvertretung des Filmnachwuchses gegenüber Politik und Branche auftritt. Der Verbund hat sich die Stärkung von Kurz- und Debütfilm sowie die Verbesserung der Ausbildungssituation auf die Fahnen geschrieben. Zudem setzt er sich für eine ausgewogene Verteilung aller Genres und Formate sowie für zukunftsorientierte Technologien zum Storytelling ein.

Das merkt man besonders bei den zum zentralen Veranstaltungspunkt gewordenen Pitches. Hier präsentieren die Studenten über den ganzen Tag, eng getaktet, ihre Projektideen auf der Suche nach Koproduzenten, Sendern oder sogar Teammitgliedern. Studenten durften nur am Empfang teilnehmen, wenn sie mithalfen oder präsentierten. In diesem Jahr waren, wie auch in den vorigen Jahren, höchst unterschiedliche Genres im Pitch vertreten. Neben den Dauerbrennern Drama, Komödie und Coming-of-Age waren mutige Dokumentarfilmprojekte, Thriller und sogar Horrorfilme im Angebot.

Die mit 1.000 Euro dotierten Förderpreise gingen an folgende Projekte: Das Drama »Zwillinge« von Manuela Bastian, Frederik Felkner und Maximilian Greil von der Filmakademie Baden-Württemberg handelt vom Erwachsen werden zweier unzertrennlicher Schwestern. Die Komödie »Renter Armee Fraktion« handelt von einer ehemaligen Terroristengruppe, die als Senioren in Geldnot geraten. Felix Engstfeld, Jonas Heicks und Bettina Bauckelmann von der ifs internationale filmschule köln betraten die Bühne in Masken ihrer Hauptfiguren und spielten einen kurzen Dialog, was sie mit dem Satz kommentierten: »Wie ihr seht, brauchen wir vor allem Schauspieler!« Sarah Noa Bozenhardt von der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf erzählt in ihrem Dokumentarfilmprojekt »Awalatje« von zwei Hebammen im Norden Äthiopiens, die zwei Seiten der Medizin vertreten. 20th Century Fox stiftete erneut den mit 5.000 Euro dotierten Fox New Talent Award. Dieser ging 2017 an Brix Vinzent Koethe von der Hamburg Media School für dessen Projekt »Karaoke im Regen«.

von Timo Landsiedel